Eurovision-Jubel

"Raab ist der König und Lena die Prinzessin"

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Siegesempfang in Hannover, Sondersendungen auf ARD und ProSieben, Freudentaumel auf der Reeperbahn: Die Lena-Mania ist nach deren Sieg beim Grand Prix tatsächlich noch steigerungsfähig. Und sie wird von ihr selbst lenamäßig mit vielen "geils" befeuert. Auch Stefan Raab bekommt etwas ab vom Ruhm.

Die 19-jährige Lena Meyer-Landrut hatte nach ihrem Sieg beim Grand Prix vor allem einen Wunsch: „Ich hoffe, dass in Deutschland eine große Party abgeht. Das muss unglaublich geil sein.“ Tatsächlich feierten in ihrer Heimat Tausende Fans ihre Lena bei großen Grand-Prix-Partys. Auf der Hamburger Reeperbahn stieg traditionell die offizielle Eurovisions-Feier der ARD, die stets vor und nach dem Wettbewerb live übertragen wird.

Natürlich war in ihrer Heimatstadt Hannover die Freude besonders groß. „Oh wie ist das schön“, singen die Menschen, die sich auf dem Rathausplatz versammelt haben, und schwenken die Arme. Manche haben sogar Tränen in den Augen. Den ganzen Abend haben sie gebangt und gehofft, nun wollen die Fans nur noch feiern. Dicht gedrängt stehen die Fans vor den beiden großen Leinwänden im Scheinwerferlicht. Sogar die sechsspurige Straße vor dem Rathaus hat die Polizei gesperrt, rund 20. 000 Menschen haben sich zum Song Contest versammelt – Public Viewing wie bei der Fußball-WM 2006. Manche sitzen mitten auf der Straße, andere haben sich Klappstühle mitgebracht. Eines ist aber allen gemeinsam: die Begeisterung für Lena und das Lied „Satellite“. Viele der Fans tragen weiße T-Shirts mit dem Aufdruck „Hannover für Lena 2010“.

Schon vor dem Sieg hatte sie die Fans lenamäßig angefeuert. „Ich hab' voll Bock, das wird total geil“, hatte sie bei einer Schalte noch kurz vor dem Start des 55. Eurovision Song Contests zugerufen.

Ihre Rückkehr in die Heimat wurde schon während der Übertragung im Fernsehen immer wieder angekündigt, als käme die Nationalelf nach der WM siegreich nach Hause. ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber kündigte in der Nacht in Oslo an, dass das Flugzeug um 15.00 oder 15.15 Uhr landen werde. Um 16.30 Uhr könnten die Hannoveraner die 19-Jährige auf dem Tramplatz feiern. Lena soll sich dort ins Goldene Buch der Stadt eintragen und noch einmal ihren Siegersong „Satellite“ singen. Man kann sich jetzt schon vorstellen, was da los sein wird. Für alle, die am Fernsehen mitfeiern wollen, gibt es Sondersendungen auf ARD und ProSieben.

Auch im Internet ist wegen Lena die Hölle los: Während der Grand-Prix-Abstimmung ist der Kurzmitteilungsdienst Twitter mit Kommentaren über Lena heiß gelaufen. „Krass ey – Lena liegt vorne!“, zwitscherte Benutzer TeuMoVa im Internet. „jaaaaaaaaaaaaaa!!!!!! LENA WIR LIEBEN DICH!!!!“, schrieb chaotiß13. „Ich mag Deutschland wirklich. Wer nach Lena sucht, hat in der nächsten Sekunde schon gut 3000 weitere Kommentare verpasst. „Es war vor fast 30 Jahren! 1982 ... Das ich das „nochmal“ erleben darf ;)“, schrieb der Benutzer Dapema in Erinnerung an den Gewinn von Nicole mit „Ein bißchen Frieden“. „ein Erdrutschsieg!“, jubelte marfis75. „Gibt es beim Grand Prix eigentlich jetzt den ersten Auto-Korso?“

Die 19-Jährige Grand-Prix-Teilnehmerin hatte selbst für die großartige Unterstützung aus Deutschland gedankt. Unter ihrem Profil „LenaMßL“ sagte sie elf Stunden vor Beginn der Show: „Danke Euch allen. Für die guten Wünsche, fürs Daumendrücken. Für alles. Cool!“. Kurz vor der Show war sie noch lässig genug und hatte Zeit, ein Foto zu schießen und mit dem Kommentar „Langsam wird es voll hier“ hochzuladen.

Ihre Coolness beim Eurovision Contest war in der Tat beeindruckend. Auch in den Tagen vor dem Grand Prix in Oslo wirkte sie trotz allem Stress immer locker und voller hintergründigem Humor. Kurzum: Sie zeigte die besondere Mischung aus Grazie und Kumpelhaftigkeit, wie sie Grand-Prix-Caster Stefan Raab gleich von Anfang an liebte. „Du bist ein Chamäleon, eine Gazelle, eine Nachtigall, ein Wolpertinger...“ Nun bekommt allerdings auch Raab etwas ab vom großen Ruhm. Die Schauspielerin Anna Loos kommentierte den Sieg mit den Worten: „Stefan Raab ist der König von Deutschland und Lena die Prinzessin."

Die Freude ist jedenfalls riesig, nach 1982 endlich wieder einen Grand-Prix-Sieg zustande gebracht zu haben. Der Eurovisions-Experte Jan Feddersen schrieb, dass man sich die Feierei nun wahrlich verdient habe „nach all den Jahren mit desaströsen Acts“.

Interessant wäre zu wissen, was Sängerin Nicole jetzt empfindet, die als 17-Jährige mit „Ein bisschen Frieden“ den Grand Prix gewann. Und die sich in einem Interview vergangenes Jahr darüber ärgerte, dass "nur komisch Kostümierte über die Bühne hüpfen“ würden.

( str/dpa )