Comedy

Berlin ist verrückt nach zwei witzigen Engländern

| Lesedauer: 3 Minuten
Ulrike Borowczyk

Foto: picture-alliance/ dpa / picture-alliance/ dpa/dpa

Rebecca Carrington spielte früher Cello beim Royal Philharmonic Orchestra. Ihr Mann Colin Griffths-Brown war Schauspieler. Er tourte früher als Schauspieler mit der Royal Shakespeare Company. Heute sind sie verheiratet, leben in Berlin und machen Comedy - mit Cello.

Noch stapeln sich die Kisten im Wohnzimmer, sind die Regale leer. Keine sechs Wochen ist der Umzug von Rebecca Carrington und ihrem Ehemann Colin Griffiths-Brown her. Bereits seit Dezember 2007 sind die beiden Neu-Berliner. „Wir haben erst in Mitte gewohnt bei einem befreundeten Künstler, um die Stadt besser kennen zulernen und eine passende Wohnung zu finden“, erzählt Rebecca Carrington. Das Suchen hat sich gelohnt. Nahe des Kreuzberger Viktoriaparks gelegen, begeistert allein schon der Blick aus der Wohnküche in ein Gartenidyll mit Froschteich.

Für das Chaos in den anderen Zimmern haben die sympathischen Musik-Comedians die perfekte Entschuldigung: Ihren randvollen Tourkalender. Schuld daran ist das deutsche Publikum, das verrückt ist nach den beiden Engländern aus Berlin. Doch nun dürften die zwei genügend Zeit haben, sich in Ruhe einzurichten, denn sie präsentieren ihr aktuelles Programm derzeit in der Bar jeder Vernunft: „Me and my Cello“, eine aberwitzige Welt- und Zeitreise.

Ursprünglich wandelten die beiden auf getrennten Künstlerpfaden: Rebecca Carrington spielte Cello beim London Symphony Orchestra, dem Royal Philharmonic Orchestra und dem BBC Symphony Orchestra. Außerdem arbeitete sie mit Weltstars wie Aretha Franklin, Paul McCartney und Randy Newman. Doch dann eines Tages während eines New York-Trips meinte eine Freundin zu ihr: „Du bist so witzig! Kennst du eigentlich die Stand-up-Comedy-Clubs hier? Da kann auf der Bühne Gags ausprobieren.“ Die ersten beiden Clubs waren noch nicht interessiert, aber der dritte Club lud sie nach nur einem Auftritt als Gaststar für den nächsten Abend ein. Diesmal nahm Rebecca Carrington ihr Cello mit und danach schrieb sie eine Musikcomedy-Show.

Das war vor dreizehn Jahren. Seither heißt das Cello Joe. Ganze 228 Jahre brauchte es keinen Namen. „Dann habe ich die Show mit ihm gespielt und er war plötzlich eine Person. Der Engländer, der Joe gebaut hat, hieß Joseph Hill. Deshalb dachte ich an Joe Junior“, sagt Rebecca Carrington.

Colin Griffiths-Brown indes tourte früher als Schauspieler mit der Royal Shakespeare Company und stand im Londoner West End auf der Bühne. Außerdem war er mit seinem phänomenalen Bass zehn Jahre lang Mitglied der britischen A-cappella-Formation The Magnets, die er aber 2006 verließ, um mit Robbie Williams auf Tournee zu gehen. Seit vier Jahren sind die schöne Britin und ihr nicht minder gutaussehender Gatte ein Paar. Gemeinsam auf der Bühne stehen die beiden seit zwei Jahren. Nachdem Colin für sie Regie geführt hatte, dachte Rebecca: „Er singt, spielt Dudelsack und ist Schauspieler. Ich fand, er sollte auch mit mir auf der Bühne stehen, damit wir immer zusammen sein können.“

Nachdem die Musikcomedy für die 38-Jährige vor fünf Jahren endgültig zum Fulltimejob avancierte, steht sie zunehmend in Deutschland auf der Bühne, da das Misch-Genre hierzulande geschätzt wird. Mit ihrem Mann hat sie schon hochkarätige Kleinkunst-Preise wie den Prix Pantheon gewonnen. Deutsch spricht Rebecca Carrington, seitdem sie als Au-pair-Girl in Bremen war. Nur eine von vielen Voraussetzung für den Umzug nach Kreuzberg – die beiden hatten einfach keine Lust mehr, von London mit dem Flugzeug zur Arbeit zu fliegen.

Bar jeder Vernunft, Schaperstr. 24, Wilmersdorf, Tel.: (030) 8831582. Bis 7.6., Di - Sa 20 Uhr, So 19 Uhr.