Sat.1-Talkshow

Peinliche Verzweiflung bei Oliver Pocher

Die Quote seit Monaten im Keller, die Witze entweder ideenlos oder abgeschmackt. Die Verzweiflung des Oliver Pocher ist so groß, dass das Warten auf einen Talkshow-Gast zum Leitmotiv der Sendung erklärt werden muss. In der Hoffnung, dass überhaupt jemand zuschaut. Was für ein Armutszeugnis.

Es ist schon beachtlich, dass das erwartbare Fehlen des Vizegewinners eines erfahrungsgemäß folgenlosen nationalen Sing-Wettbewerbs den Gastgeber einer Late-Night-Show dergestalt in die Bredouille bringen kann. Sollte man doch meinen, ein solches Format vertrage durchaus schillerndere Gäste als den mäßig eloquenten Möchtegern-Ziehsohn von Dieter Bohlen.

Daran zeigt sich aber schon das Ausmaß der Ideenflaute um Oliver Pocher. Als gestern zu Beginn der Aufzeichnung vermeintlich immer noch nicht feststand, ob Menowin Fröhlich auftauchen würde, wurde diese Frage kurzerhand zum Leitmotiv der Sendung. Und das wurde auf die espritloseste Weise ausgespielt: „Ob Menowin nicht doch noch kommt, erfahren Sie nach der Werbung.“

Gerade erst hatte Menowin das DSDS-Finale gegen den schniekeren, glatteren, gefälligeren Mehrzad Marashi verloren. Im Anschluss gab es Fanproteste und Gedanken darüber, ob ein Vorstrafenregister wie das von Menowin (Körperverletzung und Scheckbetrug) einer TV-gestützten Musikkarriere grundsätzlich im Wege stehe.

Menowin hätte dem Gästesofa also Aktualität und Street-Credibility hinzugefügt. So saß da zwar der hochsympathische Jürgen Domian, dessen Telefon-Show zu jeglichen Intimsorgen gerade ihr 15. Jubiläum feierte; aber eben auch Jasmin Wagner alias „Blümchen“, an deren musikalische Erfolge aus den 90er-Jahren („Ich bin ein Bum-bum-bum-bum-Bumerang“) sich jüngere Zuschauer wahrscheinlich gar nicht erinnern können: und nicht zu ihrem Schaden.

Ihre Performance war dann Teil von Pochers kleiner Kampagne, mit der er Fast-Gast Menowin hofieren wollte: „Bumerang“ sollte Mehrzads „Don’t believe“ unter den Download-Charts von Platz eins stürzen. Weil aber Menowin fehlte, lief die Pointe ins Nichts.

Stattdessen stand die Frage, warum man sich ausgerechnet dieses furchtbare Lied anhören muss, im Raum. Und Pocher wirkte zunehmend beleidigt, von seinem „neuen besten Freund“ derart schnöde sitzengelassen worden zu sein – der trat dann prompt parallel zusammen mit DSDS-Sieger Mehrzad bei „Let's dance“ auf.

Na logisch, wo sonst. Schließlich ist der DSDS-Spitzenkandidat bei RTL unter Vertrag.

Es ist kein Geheimnis, dass RTL sich die Exklusivrechte an den DSDS-Kandidaten auch nach der Show sichert. Insgesamt war es also von Anfang an unwahrscheinlich, dass RTL für einen Sat.1-Auftritt das Plazet geben würde. Einen Plan B hatte Pocher aber dennoch nicht.

Dabei ist er ja gerade in den drehbuchlosen Momenten gut. Er hat durchaus Talent dafür, den Trottel zu geben, ohne dabei gänzlich die Würde zu verlieren. Das zeigte gestern wieder ein Einspieler von der recht ereignislosen Zusammenkunft Pochers mit Menowin anlässlich eines Champions-League-Spiels. Als dieser erwartungsgemäß zu spät eintrifft, geht Pocher in die nächste Fußballkneipe, beginnt ein ungelenk-aufdringliches Gespräch über die Vorzüge der TV-Übertragung gegenüber dem Live-Event und steht insgesamt ziemlich deppert im Weg herum.

Aus dem Stegreif hat Pocher einen gewissen prolligen Charme, den er beim Witzeaufsagen eher nicht erreicht.

Die lautesten Lacher bekam daher auch nicht er selbst, sondern Liliana Matthäus, wie sie Backstage bei DSDS die Crew interviewt, unfassbar dämliche Fragen stellt und sich ungeniert anbiedert. Die tumbe Spielerfrau, eine allzu leichte Beute.

Dramaturgischer Tiefpunkt der Sendung aber war Pochers Anruf bei Menowin: Da saß er mit seinen beiden Gästen über das Handy gebeugt wie auf einer Party, auf der die Stimmung plötzlich einfriert.

Dann versucht man, noch schnell ein paar unterhaltsamere Freunde zu organisieren. Es klingelte, „die Spannung ist kaum zu ertragen“, log Pocher in ergebenem Fatalismus, und dann sprachen alle was Nettes auf den Anrufbeantworter. Sendezeit muss schließlich gefüllt werden. Zur Not mit Warterei.

Und wie kam er aus der Menowin-Nummer wieder raus? Nun, Pocher, Mädchen für alles, machte sie selbst und sang hinter übergroßer Glitzerbrille „Billie Jean“. Mit dem Stück war Menowin im DSDS-Finale aufgetreten. Währenddessen wurde die Internet-Adresse eingeblendet für all jene, die zu spät zugeschaltet haben, man könne dort die aktuelle Folge der Oliver-Pocher-Show nachsehen, „in voller Länge“. Aber das ist nicht so schlimm. Man kann da auch vorspulen.