Fliegender Wechsel

Barenboim scheitert in Salzburg

Daniel Barenboim hatte sich als Musikchef der Salzburger Festspiele beworben. Nun hat das Kuratorium der Festspiele aber den Züricher Opern-Chef Alexander Pereira (61) zum neuen Intendanten gewählt. Dafür kann Festspiel-Chef Jürgen Flimm jetzt als Intendant schneller an die Berliner Staatsoper wechseln.

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Der Weg für Jürgen Flimm ist frei: Am Dienstag wählte das Kuratorium der Salzburger Festspiele den Züricher Opern-Chef Alexander Pereira (61) zum neuen Intendanten der Festspiele – und damit zum Nachfolger Flimms. Nach dieser Entscheidung dürfte einem vorzeitigen Wechsel Flimms an die Staatsoper Unter den Linden zum 1. September 2010 nichts mehr im Wege stehen. Schließlich war Flimm die vorzeitige Freigabe unter der Voraussetzung signalisiert worden, wenn ein Nachfolger gefunden ist.


Dass sich das Salzburger Kuratorium dann doch so schnell für einen neuen Festspielmanager an der Salzach entschied, überraschte. Denn nachdem die Namen der drei von einer Findungskommission ausgesuchten Kandidaten durch eine Indiskretion publik geworden waren, begann eine heftige öffentliche Diskussion über deren Eignung für den Job. Ein Großteil der Kritiker vertrat die Ansicht, dass weder Pereira noch Pierre Audi (52) oder Stephane Lissner (56) der richtige Mann auf dem Posten sei. Und das Kuratorium deshalb lieber etwas länger suchen sollte. Die Salzburger Festspiele gelten als eines der renommiertesten Musik- und Theaterfestivals der Welt.

Ein erfahrener Musikmanager

Bei der Entscheidung zugunsten des ältesten Kandidaten spielten offensichtlich wirtschaftliche Faktoren eine wichtige Rolle. Pereira, der als einer der erfahrensten und erfolgreichsten Musikmanager weltweit gilt, hat nach Angaben von Wilhelmine Goldmann, der Vorsitzenden des Festspiel-Kuratoriums, bereits zugestimmt. Er werde seinen Posten „spätestens“ im Oktober 2011 antreten, hieß es. Dann läuft sein Vertrag dort aus. Sein Nachfolger steht bereits fest: Andreas Homoki, Intendant der Komischen Oper Berlin, wechselt in die Schweiz. Allerdings erst 2012. Möglicherweise muss er seine Zeitpläne überdenken. Immerhin steht in diesem Wechsel-Spiel mit Barrie Kosky bereits Homokis Nachfolger in Berlin fest.

Einzelheiten des Vertrags mit Pereira sind Goldmanns Worten noch nicht ausgehandelt. Pereira war bereits 1999 für die Intendanz in Salzburg im Gespräch, die damals an den Belgier Gerard Mortier ging. Pereira, der 61-jährige gebürtige Wiener mit portugiesischen Vorfahren, hatte zunächst eine Karriere in der Wirtschaft absolviert. Er war Verkaufsleiter der italienischen Büromaschinenfirma Olivetti für Deutschland, bevor er 1984 zum Generalsekretär der Konzerthausgesellschaft Wien berufen wurde.

Gescheitert ist Stephane Lissner. Und damit auch Daniel Barenboim, der gerade mit der Staatskapelle von einer umjubelten Gastspielreise aus New York zurückgekommen ist. Lissner, der 56-jährige Intendant der Mailänder Scala, hatte sich gemeinsam mit Barenboim beworben, der Musikchef der Salzburger Festspiele werden wollte. Herausgekommen ist diese Indiskretion durch ein Mitglied der fünfköpfigen Findungskommission. Die hatte sich eigentlich zum Stillschweigen verpflichtet. Aber nachdem die Namen durchgesickert waren, wurden diese heftig kritisiert. Auch der Favorit eines Mitglieds der Findungskommission wurde diskreditiert. Daraufhin gab er weitere Interna preis. So verriet er den „Salzburger Nachrichten“, dass Lissner gemeinsam mit Barenboim antreten wolle. Vielleicht aber, so wird gemutmaßt, wollte er die Beiden auch nur gezielt verhindern.

Denn es war eine pikante Personalie. Dass Salzburg überhaupt vorzeitig nach einem Festivalchef suchen musste, lag an den Aktivitäten der Berliner Kulturpolitik. Auch Kulturstaatssekretär André Schmitz ist ein Suchender. Nachdem der Druck zur Präsentation eines Nachfolgers des vor einem Jahr geschassten Staatsopern-Intendanten Peter Mussbach Monat für Monat stärker wurde, erinnerte sich Schmitz an seinen alten Bekannten Jürgen Flimm. Der sagte zu, obwohl er in Salzburg noch einen Vertrag hat. Das Kuratorium war seinerzeit wenig begeistert, als es mit dem Anliegen nach vorzeitiger Vertragsauflösung durch die Öffentlichkeit konfrontiert wurde. Es hagelte harsche Worte. Und dann hätte möglicherweise eine Entscheidung für Lissner/Barenboim jetzt ausgesehen wie eine süße Rache. Nach dem Motto: Nimmst du uns den Intendanten weg, dann holen wir uns deinen Generalmusikdirektor.

Versöhnliche Signale

Für die Berliner Kulturpolitik wäre das eine Horrorvorstellung gewesen: Flimm zwar früher in Berlin, aber dafür über mehrere Monate im Jahr ohne Partner. Staatsoper und Barenboim – das gehört schließlich genauso zusammen wie der Friedrichstadtpalast und seine Girlreihe.

Barenboim soll gegenüber Mitgliedern der Findungskommission gesagt haben, dass er bereit sei, drei bis vier Monate in Salzburg zu sein. Sein Amt als Generalmusikdirektor der Staatskapelle wolle er weiterhin ausüben. Damit wollte Barenboim versöhnliche Signale an die Berliner Kulturpolitik senden, aber auch klar machen, dass niemand sich sicher sein sollte, dass er lebenslang in Berlin und an der Staatsoper bleibt.