Peinlicher Versprecher

Die versehentliche "Fisting"-Attacke beim ZDF

Das ZDF hatte es nur gut gemeint und wollte seine Zuschauer bloß warnen: Kriminelle haben die Daten von Internetnutzern ausgespäht, Passwörter sollten geändert werden. Doch dem Publikum dürfte beim Mittagessen die Gabel aus der Hand gefallen sein, als sie davon hörten. Denn plötzlich war von einer sehr ungewöhnlichen Sexualpraktik die Rede.

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Einigen Zuschauern der "heute“-Nachrichten dürfte gestern Mittag der Appetit aufs Essen vergangen sein. Denn in der ZDF-Sendung um zwölf Uhr hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen.

Getroffen hat es einen Sprecher, der in einem Beitrag über Internet-Verbrecher zu hören ist, die Kennwörter von E-Mail-Konten ausspionierten. Während Bilder von Google und anderen Email-Anbietern gezeigt werden, sagt der Sprecher: „Auch die Konzerne Yahoo und Google sind Opfer sogenannter Fisting-Attacken geworden...“

Woran mag der Sprecher in diesem Moment wohl gedacht haben? Offenbar merkt er noch, was ihm da live rausgerutscht ist: Nämlich der Begriff für eine ziemlich ungewöhnliche Sexualpraktik, bei der mehrere Finger oder eine Faust in die Vagina oder den Anus eingeführt werden. Denn auch in den nächsten Sätzen verhaspelt er sich: „Nach Angaben beider Unternehmen spionierten Kriminelle die Passwörter von .... könnt ... Privatkonten aus und veröffentlichten sie im Internet. ..“

Gemeint war wohl eher „Phishing“ (sprich: Fisching). Ein Begriff, der sich aus dem Englischen ableitet und der einen Hackerangriff meint. Dabei werden im Internet Kundendaten „geangelt“ , indem die sorglosen Nutzer auf gefälschte Seiten gelockt werden.

Keine Freud'sche Fehlleistung

Die ZDF-Redaktion bestätigte Morgenpost Online den Fehler, die Sendung kursiert als Video im Internet. Bei seinem Versprecher habe sich aber keinesfalls um eine Freud'sche Fehlleistung gehandelt, sagt Sprecher Elmar Bartel: "Ich hatte in meinem Kopf irgendwie die Begriffe 'Philister' oder 'Sophisticated' mit 'Phishing' in Verbindung gebracht. Die klangliche Nähe hat mir da wohl einen Streich gespielt. Auch beim Einlesen war es mir nicht aufgefallen." Erst in der Live-Sendung, als Bartel dann zum ersten Mal laut "Fisting" vorlas, habe er seinen Fehler bemerkt. Nach seinen Angaben hätten daraufhin alle gelacht.

Die Reaktionen auf den Versprecher sind gewaltig. Nach Angaben des Zweiten soll bereits ein Blogger aus dem Versprecher einen Klingelton fürs Handy anbieten. Der Chefredakteur der Deutschen Presseagentur (dpa), Wolgang Büchner, gibt seinem Kollegen über Twitter allerdings auch Schützenhilfe: "Genug über's ZDF gespottet Kollegen! Wir hatten alle schon unseren moment of shame, oder? Sowas passiert auch den Besten. Weitermachen."