Filmparty in Venedig

Brüno-Double gräbt George Clooney an

Die Filmkost bei den Festspielen in Venedig war zwar mitunter etwas schwer. Dafür gab es aber auch jede Menge Partys, flanierende Stars, skurrile Anekdoten und öffentliche Liebeserklärungen. Neben den Hollywood-Größen Clooney, Damon, Cage und Co. schlugen auch zwei „Außerirdische" am Lido auf...

Kein Wunder, dass sich die Stars hier die Klinke in die Hand geben. Wo die Berlinale zu kalt und Cannes zu hektisch ist, hat sich das Filmfest in Venedig als das entspannteste der großen drei etabliert.

Auf dem Lido sitzt ein Moritz Bleibtreu völlig relaxt und unentdeckt auf der Terrasse des „Excelsior“-Hotels, schlendert Robert Stadlober mit einem Weinglas am Strand entlang und schnüffelt Isabelle Huppert im Garten an einem Lavendelstrauch, als sei sie gerade in ihrem Ferienhäuschen in der Provence. Nur die riesige Baustelle vor dem Festivalcasino stört die Idylle ein wenig.

Zur beliebtesten Partylocation der Festspiele mauserte sich in diesem Jahr das knapp 1000 Jahre alte Benediktinerkloster San Nicolò auf dem Lido. Nachdem dort vergangene Woche das österreichische Wallfahrtsdrama „Lourdes“ zelebriert worden war, sorgten am Mittwoch die arabischen Discoklänge zur Feier des deutsch-iranischen Wettbewerbsfilms „Women without Men“ für Kontraste im Klosterhof.

Die großen Hollywood-Stars freilich feierten lieber unter sich, wie Nicolas Cage und Eva Mendes, die sich mit ihren Gästen auf eine Yacht in der Lagune vor den Giardini zurückzogen, mit spektakulärem Blick auf Markusplatz und Kunstbiennale. George Clooney speiste mit immerhin knapp 200 Gästen nach der Premiere von „The Men Who Stare at Goats“ im Casino.

Am Nachmittag war bereits die Pressekonferenz zu seinem Film zur George-Hysterie entgleist. Fragen zur Militärsatire wurden kaum gestellt, stattdessen gestand eine spanische Journalistin Clooney ihre Liebe – und Hollywoods begehrtester Junggeselle musste sich Fragen über seine sexuelle Orientierung anhören. Schließlich zog sich ein Mann bis auf die Unterhose aus und flehte den Hollywood-Star vor laufenden Kameras an: „Ich bin schwul, darf ich dich küssen? George, nimm mich!“

Dabei handelte es sich jedoch nicht um einen verrückten Fan, sondern um den italienischen Fernsehkomiker Mauro Casciari. Seine Selbstentblößung dürfte also eher ein von Kunstfigur Brüno inspirierter PR-Gag für seine Comedyshow gewesen sein.

Clooney ließ sich von dem Vorfall ebenso wenig aus der Fassung bringen wie einige Stunden später vom Ausfall des Projektors bei der Galapremiere des Films. Kurzerhand überbrückte er die Pause mit dem Ständchen „O Sole Mio“ für das begeisterte Publikum. Auf dem roten Teppich hatte er zuvor die italienische TV-Moderatorin Elisabetta Canalis als seine neue Begleitung präsentiert und demonstrativ Händchen gehalten.

Sehr verliebt zeigte sich auch Hollywood-Star Matt Damon, der seine Ehefrau Luciana Bozán Barroso mit auf den Lido brachte. Die beiden wohnten wie Clooney im Nobelhotel „Cipriani“ auf der Insel Guidecca abseits des Festivalrummels, wo Damon auch ein paar Journalisten empfing und über die 15 Kilo Zusatzgewicht witzelte, die er sich für seine Rolle in „The Informant“ angefuttert hatte. „Das war erschreckend einfach. Ich habe mich einfach wochenlang nur von Pizza und Bier ernährt.“

Das Promi-Aufgebot ließ in den zehn Festivaltagen kaum zu wünschen übrig. Neben zahlreichen US-Stars sorgten elegante Damen wie Catherine Deneuve und Charlotte Rampling sowie italienische Schönheiten mit atemberaubend ausgeschnittenen Abendroben für Blitzlichtgewitter.

Dabei sein musste aber auch die unvermeidliche Paris Hilton, die bei Werner Herzogs Film über den roten Teppich stakste. Betörend anmutig und wie von einem anderen Stern dagegen wirkte einmal mehr Schauspielerin Tilda Swinton. Nur einer wirkte noch außerirdischer: Venezuelas Präsident Hugo Chávez, dem US-Regisseur Oliver Stone einen Dokumentarfilm widmete, kam zur Premiere und genoss sichtlich die Aufmerksamkeit auf dem roten Teppich.

Donnerstagnacht schließlich gab Regisseur Fatih Akin eine Party zu seinem neuen Film „Soul Kitchen“ in einer Villa am Strand, die der Hamburger Filmemacher aus seinem eigenen Plattenkoffer beschallte – und schon um zwei Uhr wieder verließ, da die Polizei offenbar drohte, die Party aufzulösen. Am Freitag zeigte sich dann noch einmal Hollywood-Prominenz: Modezar Tom Ford brachte für sein Regiedebüt „A Single Man“ Hauptdarstellerin Julianne Moore mit.