"Schwarze Jungfrauen"

Vagina-Monologe, made by Moslems

Feridun Zaimoglu lüftet in Berlin den Schleier

Feridun Zaimoglu hat Neomosleminnen interviewt. Klingt gefährlich. "Neo" ist immer schlecht, wie bei "neoliberal" oder "neokonservativ". "Neo", das heißt, daß eine ohnehin suspekte Bewegung modernisiert wurde, aktualisiert, jetzt schneller ist, härter, stärker.

Stimmt genau.

"Schwarze Jungfrauen" ist ein Theaterstück, das auf besagten Interviews basiert, die Feridun Zaimoglu zusammen mit Günther Senkel in Deutschland führte und das Neco Celik im Berliner Theater HAU 3 uraufführte. Es läuft im Rahmen des Migrations-Festivals "Beyond Belonging". Wer nun aber multikulturell wertvolle Statements aus dem Brennpunkt Kreuzberg für die kritische Auseinandersetzung mit dem Islamismus erwartet, der kennt Zaimoglu schlecht.

Wenn der Kieler Schriftsteller Mundart zwischen die Finger bekommt, wird daraus Dynamit. "Schwarze Jungfrauen" hat wenig mit dem Koran zu tun, aber viel mit den "Vagina Monologen", für das die New Yorker Autorin Eve Ensler Mitte der Neunziger Interviews mit 200 Frauen führte. Der winzige HAU 3-Saal ist voll von aufgeschlossenen mittelalten Türken und Lehrer-Ehepaaren, aber in der Berliner Schaubühne, oder früher in der hippen Baracke des Deutschen Theaters, könnte man damit vermutlich jugendlich jubelnde Säle füllen. Das Stück macht Spaß, kein Kopfweh. Denn es handelt von ziemlich coolen Frauen.

Neco Celik hat stellvertretend fünf von ihnen in einen Setzkasten gestellt, dessen Fächer abwechselnd erleuchtet werden. Man denkt an ein Puppenhaus, ein Schaufenster, eine Peepshow - an einen Käfig aber ganz zuletzt. Schwarz vermummt stehen sie kurz da, dann beginnt der Moslem-Strip. Weg mit dem Kopftuch, mit dem Mantel, mit Perücken. Fünf Schaufensterpuppen, im hautfarbenen Dress und mit Glatze. Aber so einförmig ihr Aussehen, so unterschiedlich ihre Geschichte, die sie jetzt erzählen. Eine "Rollstuhlfahrerin", eine "Bosnierin", ein "Partymädchen", eine "Studentin" und eine "Konvertierte". Gemeinsam ist ihnen das freiwillige Bekenntnis zum Islam, aber hier dient der Glaube keineswegs grauen Mäuschen zum Festklammern. Die waren stark, bevor sie den Islam mit ihrer Aufmerksamkeit beehrten. Eine schimpft auf Macho-Moslems, die sich durch die halbe Stadt rammeln, um sich dann eine Unberührte vom Dorf zu importieren, "aber wenn du reines klares Wasser in eine Kloake kippst - was kommt dabei heraus?" Eine läuft bauchfrei herum, "so ein Mumientuch" kommt für sie nicht in Frage, und überhaupt: "Ich ficke immer noch, weil ich weiß, es schadet nicht meinem Glauben." Eine war in der Koranschule, im heiligen Buch liest sie gern, aber der Hodscha, der von den Mädchen verlangt, sich in ihr "Schicksal als Frau zu fügen", das sei "ein Stück Scheiße". Die Konvertierte bleibt stolze Deutsche, von ein paar "stinkenden Ausländern" läßt sie sich ihren Glauben "nicht kaputtmachen". Die Rollstuhlfahrerin erzählt vom Unterricht in Fellatio, den sie von ihrem Pfleger bekommen habe, welch Lust sei das für eine, die vom Hals abwärts gelähmt sei!

Und so geht es weiter, immerfort, wütend, provozierend, eloquent. Die Pamphlete dieser Mädchen würden wohl viele Frauen des Westens, die hier nur verächtlich "Bürgerliche" heißen - langweilig, schwach und viel zu langsam fürs Leben - gern unterschreiben. "Schwarze Jungfrauen" ist keine tiefschürfende Auseinandersetzung mit dem Islam, sondern ein sehr lustvolles Spiel mit Klischees. Das sind keine Neomosleminnen, das sind Neofeministinnen. O ha!