Debatte

Privater Rundfunk will "jüngere Nachrichten"

Der Verband Privater Rundfunk (VPRT) will verstärkt auf eine andere Art von Journalismus für jüngere Zuschauer setzen. Laut VPRT-Präsident Jürgen Doetz müssten Fernsehnachrichten dafür anders aussehen als die „Tagesschau". Starre Vorgaben durch die Landesmedienanstalten seien ein Zwang zur Langeweile.

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Frage: Die Landesmedienanstalten fordern mehr und bessere Nachrichten im Privatfernsehen. Was ist dagegen einzuwenden?

Doetz: Mit ihren Drohgebärden blockieren die Landesmedienanstalten die Diskussion. Sie verkürzen das Thema auf Aufwand, Platzierung, Umfang und Qualität von Nachrichten. Aber starre Vorgaben sind ein Zwang zur Langeweile. Für die jüngere Generation ist eine Primetime zwischen 18.30 Uhr und 20 Uhr nicht Gott gegeben. Jüngere Zielgruppen lassen sich ihren Nachrichtenkonsum nicht vom Programmschema vorschreiben.

Frage: Ist das nicht eine Ausrede, um Nachrichten in Randzeiten zu verlagern?

Doetz: Jüngere schauen oft gar keine Nachrichten mehr – deshalb müssen wir uns thematisch und strukturell anders positionieren als ARD und ZDF. Das erfolgreiche „Nacht-Journal“ von RTL ist hier ein gutes Beispiel. Wir brauchen eine andere Art von Journalismus. Aus dem Versagen der öffentlich-rechtlichen Anstalten kann zwar keine Verpflichtung für die Privaten erwachsen. Aber wir wollen unsere Zielgruppe besser erreichen und keine abstrakten News verkünden, sondern einordnen, erklären und Konsequenzen gerade für jüngere Menschen aufzeigen...

Frage: ...das würde ein „Tagesschau“-Redakteur kaum anders sehen.

Doetz: Die Tagesschau hat ihren Stellenwert. Aber es wäre der größte Fehler, das zu kopieren. Wir brauchen keine „Tagesschau zwei“, sondern „Privat eins". Wir haben weniger Auslandskorrespondenten, aber mehr Kompetenz und mehr Gespür für die richtige Vermittlung von Themen, die jüngere Menschen wirklich interessieren. Dabei entstehen jüngere Nachrichten mit einer eigenen Ästhetik.

Frage: Wie wollen Sie verhindern, dass nur noch Skurriles und Promi-News verbreitet werden?

Doetz: Der Wert von manchen angeblichen politischen Informationen ist zu bezweifeln, das sind eigentlich leider oft nur Worthülsen. Da hat der Tod von Michael Jackson einen höheren Stellenwert als die Bilder aus der Bundespressekonferenz. Die Mischung macht es. Politik und Wirtschaft sollen dann im Vordergrund stehen, wenn tatsächlich etwas passiert, aber manchmal ist eben der Boulevard wichtiger.

Frage: Ist politische Bildung nicht Voraussetzung für die Demokratie?

Doetz: Auch wir wollen offensiv für Information kämpfen, denn wir haben keine Lust, uns immer nur an den Pranger stellen zu lassen. Wenn die Medienanstalten aufhören, uns in starre Gerüste zwingen zu wollen, stehen wir in der Verpflichtung, diese Freiheit nicht für einen Abbau von Information zu nutzen – obwohl es viel Geld kostet - sondern diese Freiheit für spannende Informationen zu nutzen.

Frage: Wie geht es nun konkret weiter?

Doetz: Die Medienanstalten haben angekündigt, die Senderchefs und mich zu einem Gespräch einzuladen. Da das ganze Papier vom Stil her unangemessen ist, wird es so jetzt dazu sicher nicht kommen. Man kann nicht zu einem Gespräch auffordern, wenn man das Ergebnis bereits als Zwang schriftlich dokumentiert hat. Wir wollen gern jetzt eine ernsthafte und ergebnisoffene inhaltliche Diskussion führen und das Resultat erst danach festschreiben.