Kunst

Wie die Finanzkrise Berlins Galerien trifft

Die Finanzkrise hat den Berliner Kunstmarkt erreicht: Sammler sind zurückhaltend, Künstler entlassen ihre Assistenten, internationale Galerien schließen ihre Berliner Dependancen. Doch Gesundschrumpfen tut gut, finden viele Galeristen und Künstler – und bleiben optimistisch.

Da kriegt man die Krise: Internationale Galerien schließen ihre Berliner Dependancen genauso hektisch, wie sie sie jüngst eröffnet haben, lokale Institutionen verlassen ihre etablierten Lagen und sowohl Mitarbeiter erfolgreicher Häuser als auch die Assistenten angesagter Künstler wurden bereits entlassen. Sammler zeigen ungeahnte Zurückhaltung, Auktionen werden abgebrochen und auch in manch hippem Restaurant sind neuerdings nicht nur wieder Plätze frei – man gibt sich auch im Service wieder Mühe.

Trotzdem scheinen die Tage der Kunstmetropole Berlin noch nicht gezählt zu sein – an einigen Orten gibt man sich optimistisch: So eröffnete beispielsweise Christian Ehrentraut, der derzeit Arbeiten von Ruprecht von Kaufmann zeigt, jüngst auf 200 Quadratmetern seine neuen Räumlichkeiten in der Friedrichstraße, Höhe Oranienburger Straße, mit Arbeiten von Christoph Ruckhäberle.

Für ihn ist die Krise eine Chance zur Rückbesinnung auf die eigentlichen Qualitäten seines Metiers: „Es wird vielen klar, dass man nicht nur monetäre Werte, sondern in allererster Linie Kultur vermitteln muss. Das war eine Zeit lang bei vielen nicht so“, berichtet der ehemalige Assistent von Judy Lybke und ergänzt mit kritischem Blick auf die andere Seite des Geschäfts: „Als sich jeder für Kunst interessierte, wurde vieles auf den Markt geworfen, was nicht von großer Haltbarkeit war – weder inhaltlich noch konservatorisch. Dazu sind natürlich auch Arbeiten angekauft worden und sehr kurze Zeit später wieder in Auktionen gelandet. Investitionen sind legitim, aber wenn es um den sofortigen Weiterverkauf geht, ist das nicht okay. Dass diese exorbitanten Summen nicht mehr bezahlt werden, ist gesund.“ Dazu reiche ein cooles Hipster-Image heute nicht mehr aus, es gehe wieder um die alten Qualitäten.

Ebenfalls solide bis optimistisch ist die Stimmung in der ehemaligen Kochstraße 60 – zumindest in der Galerie Crone. Während ein paar Stockwerke höher schon die Sachen gepackt werden, freut man sich im Erdgeschoss über einen breit gestreuten Kundenstamm, der anscheinend weniger krisenanfällig ist und verweist auf die dreistelligen Einstiegspreise – und die Möglichkeit der Ratenzahlung.

Dennoch macht auch Galerieleiterin Anna Jill Lüpertz sich ihre Gedanken über die Zunft und die Exzesse der jüngsten Vergangenheit: „In den letzten Jahren ist vieles sehr groß angelegt worden. Sehr großartig, sehr großzügig und schön, nach außen hin orientiert und hat auch in eine gewisse Zeit gepasst. Da muss man sich jetzt überlegen: Halte ich das durch, gehe ich das Risiko ein oder reduziere ich, bevor es mir wirklich schlecht geht. Auf keinen Fall darf man hysterisch werden.“

Gewichtige Auswirkungen auf die Kunst selbst befürchtet die Galeristin noch nicht: „Bisher arbeiten die Künstler noch ohne Rücksicht auf das, was von außen auf sie zukommt. Vielleicht werden die unnötigen großen Materialschlachten aus Übermut, mit Gold überzogen und mit Puderzucker bestreut, in Zukunft ausbleiben – aber das Nötige muss und wird weiterhin möglich sein.“

Das sehen wohl auch die Künstler, die in den letzten Jahren zwischen all den vom Boom angelockten neuen Kunstvermittlern unterzugehen drohten, selbst so: Die Friedrichshainer Streetart-Galerie „Superplan“ lockt beispielsweise mit einer spannenden neuen Gruppenausstellung, in der Arbeiten von Künstlern wie Evol, Pisa73 und Boxi zu entdecken sind. Titel: „Nix Krise“.