Neue CDs

Jamie Foxx singt – leider nicht wie Ray Charles

Jede Woche kommen neue CDs in die Läden und auf die Download-Seiten. Morgenpost Online bespricht die wichtigsten Alben. Diesmal singt der Schauspieler und Oscar-Gewinner Jamie Foxx seichten R&B, mit Aloha From Hell entspringt eine weitere Teenieband der Retorte und Die Krupps zeigen, was sie können.

Foto: AP

Jamie Foxx: Intuition (J)

Im Film hat Jamie Foxx bereits die Vorreiter der schwarzen Popmusik verkörpern dürfen. Für Ray Charles bekam er einen Oscar. Berry Gordy brachte ihm zumindest die Erkenntnis, dass noch lebende Leitfiguren geisterhafter jede Schauspielkunst behindern als verstorbene.

In "Dreamgirls", dem drei Jahre alten Musical zur Plattenfirma Motown, hieß der Gründervater zwar nicht Berry Gordy, sondern Curtis Taylor. Jamie Foxx blieb trotzdem blass. Zum 50. Geburtstag schenkt er Motown nun ein Album.

Seine eigene Vision der afroamerikanischen Musik im Jahr 2009. Er spielt zum zweiten Mal den Sänger Jamie Foxx. Am besten ist er wieder, wenn ihm andere dabei helfen oder wenn er anderen helfen kann wie Kanye West damals bei "Gold Digger".

Mit Kanye West singt Jamie Foxx heute vom "Digital Girl", die Stimmen klingen maschinell entstellt wie es im R&B gerade üblich ist. Vor allem Frauen sollten sich vom Sänger Jamie Foxx verstanden fühlen: "Ich singe darüber, was Frauen wirklich wollen", sagt er. "Frauen wollen Spaß, sie wollen ihren Drink, das richtige Essen und in einer ganz bestimmten Art und Weise angesprochen werden."

Angesprochen werden wollen Frauen offenbar von Konfektionsmusik und Dauergästen wie Lil' Wayne, die damit ihr Talent verschwenden. Wann stellt Jamie Foxx endlich James Brown dar, Marvin Gaye und Issac Hayes?

2 von 5 Punkten

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Aloha From Hell: No More Days To Waste (Columbia)

Tokio Hotel sind auch schon wieder alte Hasen, und ihr Publikum vergreist allmählich. Was gibt's Neues? Eine Kinderrockband aus Aschaffenburg heißt wie die Parodie der Elvis-Presley-Satelliten-Show von 1973 und kräht Cyndi Laupers "Girls Just Want To Have Fun" von 1983.

Eine 16-jährige Blondine namens Vivi singt. Die großen Jungs um sie herum wurden als Emos ausgestattet. Haben sich die alten Männer von der "Bravo" und aus den Berliner Hansa-Studios wieder prima ausgedacht.

0 von 5 Punkten

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Die Krupps: Volle Kraft Nullacht (Synthetic Symphony)

Nullneun hätte sich gar nicht mehr auf Kraft gereimt. Nullacht erinnert außerdem numerologisch an die Achtzigerjahre. 1980 brachten Jürgen Engler und die Krupps die "Stahlwerkssinfonie" heraus. In Düsseldorf, der Stadt des Wirtschaftswunders und der Reaktion darauf.

Die Toten Hosen grölten 1983 "Jürgen Englers Party", kurz nach dessen "Volle Kraft voraus!", einer Art Schlüsselwerk der Krupps. Nach 25 Jahren gönnen sich die Poparbeiter ihre eigene Würdigung im Remix durch Bewunderer wie KMFDM und Project Pitchfork. Waren Kraftwerk die Kinder von Wernher von Braun und Fritz Lang, sind die Krupps die Kinder Kraftwerks. Immerhin.

4 vom 5 Punkten

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Josh Tillman: Vacilando Territory Blues (Bella Union)

Als 2008 zu Ende ging, besuchte die Folkloreband Fleet Foxes aus Seattle noch einmal Europa und bedankten sich für Lob und Anerkennung. Ihr Debüt "Fleet Foxes" hielten Menschen mit Musikgeschmack für eine der CDs des Jahres.

Die Konzerte wurden von Josh Tillman, ihrem Schlagzeuger, eröffnet. Tillman stand mit der Gitarre da und sang. Nun fängt 2009 mit seinem dritten Soloalbum an. Es klingt wie das Fleet-Foxes-Vorprogramm: ein gutes Dutzend wenig störender Lieder, eine knappe Stunde Tafelmusik für den heutigen Bart- und Indiomützen-Träger.

2 von 5 Punkten

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5 Punkte: Meilenstein

4 Punkte: Sehr empfehlenswert

3 Punkte: Solide

2 Punkte: Eher schwach

1 Punkt: Ziemlich missraten

0 Punkte: Totales Desaster