Alexander Iljinskij

Der Retter des Friedrichstadtpalastes ist tot

Der ehemalige Intendant des Berliner Friedrichstadtpalastes, Alexander Iljinskij, ist im Alter von 61 Jahren gestorben. Er führte 1993 bis 2004 das größte Revuetheater Europas aus einer tiefen Krise, in die der Friedrichstadtpalast nach dem Ende der DDR geraten war.

Foto: ddp / DDP

Er war ein robuster Kerl von einem Mann, ein bodybuildinggestählter Macher mit Charme und Überzeugungskraft. Und mit einem großen Herzen für die Unterhaltungskultur, die er ebenso ernst nahm wie die von ihm geliebte Klassik. Alexander Iljinskij hatte es geschafft, als Intendant in schwierigen Zeiten den traditionsreichen Friedrichstadtpalast nach der Wende als Publikumsmagnet zu etablieren. Am Sonnabend ist er überraschend in seinem Haus in Potsdam-Babelsberg an Herzversagen gestorben; kurz nach seinem 61. Geburtstag.

Der gebürtige Vogtländer, Sohn einer deutschen Bildhauerin und eines sowjetischen Offiziers, studierte Philosophie und Psychologie, später auch Theaterwissenschaften – und wurde geradezu magisch vom Bühnenleben angezogen. Er war erst Lehrer an der Schauspielschule Ernst Busch, schließlich Chefdramaturg im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt. Ende der 80er-Jahre wechselte er als Dramaturg und Regisseur an den Friedrichstadtpalast, wurde 1992 vom Nachwende-Intendanten Julian Herrey gefeuert – um ein Jahr später zurückzukehren und selbst Intendant des Hauses zu werden. 11 Jahre lang leitete Iljinskij als Kapitän die Geschicke des Revuedampfers mit seiner legendären Girl-Reihe und den bühnentechnischen Finessen von Eislaufbahn bis Wasserballett-Bassin.

Mit gerade mal 35 Prozent Auslastung stand der Tingeltangel-Luxusliner kurz vor dem Untergang. Doch der charismatische neue Chef krempelte die Ärmel hoch und sorgte mit den ehemaligen Kollegen, denen er nun vorstand, für Las-Vegas-Flair an der Friedrichstraße. Ja, noch besser als Las Vegas sollte es werden. Iljinskij, den Freunde nur „Sascha“ nannten, sorgte mit den richtigen Ideen und kulturpolitischem Verhandlungsgeschick mit großen Ausstattungsrevuen wie „Classics“, „Sterne“ oder „Cinema“ für ein volles Haus mit 80-prozentiger Auslastung. Die Mischung aus schlagerhaften Mainstream-Melodien, opulenten Tanztableaus, populären Gaststars und immer wieder großartiger Artistik kam an.

Der durchsetzungsfähige Genussmensch mit russischer Seele und Mut zu Emotionen hat stets den richtigen Riecher bewiesen. Auch dafür, wann es Zeit ist, aufzuhören. Im Sommer 2004 trat er von seinem Amt zurück, um sich mehr dem Schreiben und dem Privatleben zu widmen. Für den Friedrichstadtpalast konzipierte er noch die Revue „Hexen“, die im September 2004 Premiere feierte.

Sein plötzlicher Tod hat Bestürzung unter Freunden und Weggefährten ausgelöst. „Ohne Sascha gäbe es den Friedrichstadtpalast heute nicht mehr, es war sein Leben“, sagte am Montag sein Lebensgefährte Thomas Richter. Und Kulturstaatssekretär André Schmitz sagte: „Dass der Friedrichstadtpalast nicht das Schicksal des Schillertheaters teilen musste, verdanken wie Alexander Iljinskij.“

Die Nachricht von seinem frühen Tod habe das Palast-Ensemble völlig unerwartet erreicht, schrieb der derzeitige Indentant des Revuetheaters, Berndt Schmidt, in einem Nachruf. Iljinskij bleibe als „Retter des Friedrichstadtpalastes“ für immer in Erinnerung. Nach der Wiedervereinigung habe Iljinskij den Palast mit programmatischen Änderungen, neuen Konzepten und Einsparungen zu großen Erfolgen geführt und ihn als nationale Bühne in Gesamtdeutschland erfolgreich gemacht. Seine großen Verdienste machten ihn im Gedächtnis des Hauses unsterblich.

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