Filmkritik

"Submarino" - Kindsein ist kein Spaß auf dieser Welt

Elmar Krekeler

Das Paradies der Kindheit kann sehr klein sein. So groß zum Beispiel wie unter einer Bettdecke Platz ist. Da ist es hell und weiß und drei Kinder glucksen und spielen.

Taufe spielen sie. Nick und sein Bruder geben ihrem neugeborenen Bruder einen Namen. Sie müssen das machen, sie müssen sich kümmern, ihre Mutter ist die meiste Zeit so hackedicht, dass sie sich nicht mal an ihren eigenen Namen erinnert. Zwei Stunden später stecken wir in Thomas Vinterbergs "Submarino" wieder mit ihnen unter einer Decke, und wissen, dass von ihnen nur einer überlebt. Die Welt, der große Folterknecht hat sie zwei Stunden unter Wasser gehalten, die durch Vinterbergs graugrünes und eiskaltzugiges Kopenhagen straucheln, in unterschiedlichen Graden der Bedröhnung. Sie haben alles gegeben, was sie haben, was ihnen gelassen wurde von der Welt, in die sie hinein geboren wurden, an Würde, an Wille, an Wärme.

Von zweien ohne Chance, erzählt der dänische Regisseur Vinterberg. Zweien, die sich verloren haben, nachdem ihr kleiner Bruder starb, während sie - keine Vierzehn - im Nebenzimmer besoffen auf dem Sofa lagen. Vinterberg folgt - gut zwanzig Jahre sind seit dem plötzlichen Kindstod vergangen - erst Nick eine gute Dreiviertelstunde durchs Fegefeuer, dann spult er zurück und geht mit Nicks Bruder denselben Weg. Nick, der seine Wut kaum im Zaum halten kann, kümmert sich um alle, weil er genug verloren hat im Leben und ständig mehr verliert. Sein Bruder, der Junkie, alleinstehender Vater, behütet verzweifelt seinen Sohn, das einzige, was ihn am Leben hält. Alles wird immer nur noch schlimmer. Die Menschen versinken immer tiefer im Morast. Und auf fast schon magische Weise schafft es Vinterberg dennoch "Submarino" nicht vollends im Elend versinken zu lassen. Furchtbarer Film. Furchtbar traurig. Furchtbar tröstend.