Late Night

Maischbergers Runde der ahnungslosen Anleger

Viele Banken haben bei Tests schlechte Noten für ihre Beratung erhalten. Doch die miserablen Tipps allein können nicht Schuld an den Verlusten vieler Kunden sein. Denn so viel wurde bei Sandra Maischberger deutlich: Wer sorglos Verträge unterschreibt, darf sich über ein leeres Konto nicht wundern.

Gleich zwei Opfer schlechter Bankberatung hatte Moderatorin Sandra Maischberger zu sich in die Sendung eingeladen: Einen besonders harten Absturz hatte Christl Werth erlebt. Die Rentnerin war vor 15 Jahren noch Millionärin – heute lebt sie von Sozialhilfe in einem Altersheim. Nur noch 83 Euro, so sagt sie, blieben ihr monatlich zur freien Verfügung.

Der etwas wirren Geschichte der alten Dame konnte der Zuschauer kaum folgen. Klar wurde aber: Als ihr Mann noch lebte, besaß sie ziemlich viel Geld – rund eine Million Euro. Nach dessen Tod musste sie die Finanzen alleine regeln und war damit heillos überfordert. Jetzt ist sie ruiniert, und die Schuld dafür gibt die Frau ihren Banken.

"Erstes Gebot für Kunden – der Kunde bleibt der Dumme" lautete das Thema der Sendung "Menschen bei Maischberger". Denn vom Verbrauchermagazin "Finanztest" hatten gerade einmal zwei von 21 überprüften Banken für ihre Beratung das Urteil befriedigend erhalten – alle anderen wurden schlechter bewertet. Bankenopfer Werth sollte dafür wohl als Paradebeispiel stehen.

Doch als Maischberger Werth interviewte, wurde immer deutlicher: Auch eine gewisse Sorglosigkeit in Kombination mit einem großzügigen Lebensstil sind für den Bankrott der Millionärin verantwortlich – und eben nicht ausschließlich die schlechte Beratungsleistung der Bank.

Der Fall von Ingrid Otto war da sicherlich besser geeignet, um die fragwürdige Praxis der Berater zu belegen. Denn Otto war nicht ganz so blauäugig. Die Rentnerin hatte bei ihrer Bank Produkte gekauft, die nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers komplett wertlos wurden. Als ihr Kapital bereits schrumpfte, ging sie besorgt zu ihrem Berater. Der beschwichtigte sie mit der Aussage, es handele sich um normale Kursschwankungen. "Ich habe vertraut, bis ich die Null auf dem Konto hatte", sagte sie.

Für den Wirtschaftsjournalisten und langjährigen ARD-Börsenkorrespondenten Frank Lehmann waren die beiden typische Opfer, weil sie "aa – alt und ahnungslos" seien.

Auch der Verbraucherschützer Eberhard Beer kennt dieses Muster: "Der Mann ist tot, die Frau alt und allein und wird bearbeitet." Wie skrupellos manche Berater es auf die Spitze treiben, zeigte dann auch ein Einspieler über die Rentnerin Hildegard Fredmar. Ein Citibank-Berater hatte der Frau, seit mehreren Jahrzehnten Kunde bei der Bank, eine Rentenversicherung verkauft. Beginn der Auszahlung: 2076. Dann wäre Hildegard Fredmar 159 Jahre alt.

Den Grund für schlechte Beratungsleistung dieser Art sahen Lehmann und Beer hauptsächlich in den Provisionen, welche die Berater häufig für besonders riskante Anlagen kassieren. Ihr Tipp: Bloß nichts unterschreiben, was man nicht versteht.

Sahra Wagenknecht, wirtschaftspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Linkspartei, schlug erwartungsgemäß radikale Töne an: Um so etwas zu verhindern, will sie die Banken schlicht verstaatlichen. Die schlechte Beratung ist für sie auch das Resultat eines unangemessenen Rendite-Strebens der Großbanken.

Wenn man aus der Sendung etwas Neues erfahren wollte, dann musste man sie schon als anthropologische Studie sehen. Und zwar mit der Fragestellung: Wie gutgläubig einerseits und wie skrupellos andererseits kann der Mensch eigentlich sein? Denn selbst ahnungslose Menschen, die nicht zwischen Aktien und einem Festgeldkonto unterscheiden können, sollten inzwischen längst wissen: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Das gilt auch für Bankgeschäfte.

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