Konzert in Berlin

Wie The Killers Berlin in Las Vegas verwandeln

The Killers haben in der komplett ausverkauften Max-Schmeling-Halle ihren Berliner Fans ordentlich eingeheizt. Glückliche "Victims" singen alle Hits mit, nur bei den neueren Songs will der Funke nicht so recht überspringen. Trotzdem ist die Antwort auf Frontmann Flowers Frage "Seid ihr Menschen oder Tänzer?" eindeutig.

Er stellte die Frage gleich zu Beginn. „Are we human or are we dancer?“ sang Brandon Flowers am Sonnabendabend kurz nach neun beim Berliner Konzert seiner Band The Killers. Das Publikum in der komplett ausverkauften Max-Schmeling-Halle wusste sofort die Antwort und sprang von ihren Sitzen hoch.

Heute sind wir Tänzer, Menschen können wir auch morgen wieder sein. Der Hit von Ende 2008 war somit der perfekte Einheizer für ein kompaktes und routiniertes 90-Minuten-Konzert der US-Poprocker. Was nicht heißen soll, dass die Band aus Las Vegas nicht für Euphorie sorgte, das tat sie durchaus, wie auch viele Songs der Band live sehr viel besser funktionieren als auf dem iPod.

Aber es wirkte doch wie eine weitgehend einstudierte, professionell durchgezogene Show ohne große Überraschungen. Ganz offensichtlich hat das Quartett von ihrer Heimatstadt gelernt: Auf der Bühne stehen Plastikpalmen, im Hintergrund sorgt ein Vorhang aus Tausenden Lämpchen für Glitzer, Neongewitter und Lichtherzchen.

Angst vor Vegas-Kitsch haben die Jungs jedenfalls nicht, im Gegenteil. Den Rest der Show übernimmt der adrett in Schwarz gekleidete Frontmann Flowers, der drahtig-agile die Bühne dominiert und mit wohlgesetzten Gesten seine Fans zu dirigieren versteht. Seine Band macht die Arbeit, wirkt aber sonst eher wie ein Teil der Deko.

Die Songs klingen meist rockiger, gitarrenlastiger als auf CD und die Band macht ordentlich Druck. Nur bei einigen neueren Stücken ihres umstrittenen vierten Albums „Day and Age“, das im November erschienen ist und sehr viel poppiger ist, springt der Funke nicht so über.

Als bei „I can’t stay“ allen Ernstes ein Saxofonsolo ertönt, sind einzelne Buhrufe zu hören. Die Victims, wie sich die Fans der Killers sinnigerweise selbst nennen, wollen ganz offensichtlich vor allem die Hits ihrer Helden hören. Und die bekommen sie, von „Somebody Told Me“ über „Read My Mind“ bis natürlich „Mr. Brightside“, der Titel, der vor vier Jahren ihren Durchbruch bedeutete.

Die Halle singt begeistert mit und nimmt dankbar jeden Wink des Ober-Killers auf. Als am Ende dann bei den Zeilen „He doesn’t look a thing like Jesus“ aus dem Hit „When You Were Young“ der Funkenregen von oben die Halle erleuchtet und Brandon Flowers auf seiner Podestkanzel die Arme ausbreitet, ist auch der Letzte bekehrt und die Messe beendet.