Tim Renner

"Die Popkomm hätte sich wandeln müssen"

Das Aus für die diesjährige Musikmesse kam für viele überraschend. Dass die Popkomm-Macher jetzt die Schuld bei den Internet-Piraten suchen, kann Tim Renner, Chef der Firmengruppe Motor Entertainment, nicht nachvollziehen. Im Interview mit Morgenpost Online analysiert er die Fehler der Vergangenheit.

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Morgenpost Online: Gibt es für die Absage der Popkomm gute Gründe?

Tim Renner: Die Popkomm aus Protest gegen Internetpiraterie ausfallen zu lassen, klingt für mich, als ob Weihnachten aus Protest gegen den Berliner Winter abgesagt wird. Diese Begründung zeigt, dass große Teile der Musikindustrie weiter nach Schuldigen suchen und nicht nach Lösungen. Die Popkomm war bereits in den letzten Jahren keine Veranstaltung für die großen Labels des Bundesverbandes Musikindustrie, von denen waren nämlich nur Universal und Warner auf der Messe vertreten.

Morgenpost Online: Welche Fehler sind gemacht worden?

Renner: Die Popkomm hat es wie die Musikindustrie verpasst, sich zu wandeln. Als der Musikmarkt boomte, war es wichtig, sich kennen zu lernen. Der Kernzweck der Popkomm hieß: Party. Doch heute, bei einem schrumpfenden Markt, macht das keinen Sinn mehr.

Morgenpost Online: Wie muss die Messe sich verändern?

Renner: Europa würde eine Talentmesse guttun, nach dem Vorbild von „South by Southwest“ in Austin, Texas. Eine Möglichkeit wäre auch eine Publikumsmesse, bei der die Branche nicht unter sich bleibt, sondern sich wie die Buchmesse den Kunden öffnet.

Morgenpost Online: Was bedeutet die Absage für Berlin?

Renner: Viel Häme, vor allem aus Köln. Die Kölner haben nie verwunden, dass die Popkomm ihre Stadt verlassen hat. Aber die Absage hat mit dem Standort Berlin nichts zu tun. Ich bin zuversichtlich, dass das Potenzial Berlins helfen wird, die Popkomm 2010 wiederzubeleben.

Morgenpost Online: Werden Sie in diesem Herbst etwas vermissen?

Renner: Ganz ehrlich: Ich war in den vergangenen Jahren nur wenige Stunden auf der Popkomm. Ich hatte mich aber auf den Schwung am neuen Messeort in Kreuzberg gefreut.

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