Neu auf CD

Van Morrison lacht wieder zu "Astral Weeks"

Er führte sein Meisterwerk erstmals komplett auf. Jetzt kann man Van Morrisons Konzertfassung von "Astral Weeks" auf CD hören. Außerdem: eine Wiederveröffentlichung von The Who und Verzichtbares von Ben Kweller. Morgenpost Online bespricht die wichtigsten Platten der Woche.

Foto: picture alliance/ dpa / ANP

Van Morrison: Astral Weeks. Live at the Hollywood Bowl (Listen to the Lion)

Er lacht. Der Griesgram freut sich auf der Plattenhülle, und er kichert, als er in "Beside You" singt: "It's got to be, it has to be." Wann hat Van Morrison zuletzt gelacht? Vielleicht im Frühherbst 1968 in New York. Nach nur zwei Arbeitstagen hinterließ der damals 23-jährige Nordire seiner neuen Plattenfirma die acht Aufnahmen für "Astral Weeks".

Als Lieder konnte man die Stücke kaum bezeichnen. Morrison hatte sie kurz den Jazzmusikern vorgestellt. Dann spielten sie, was ihnen dazu einfiel, und der Sänger stammelte sich sinnfrei durch den frei fließenden Folkjazzblues. Zehn Jahre lang blieb "Astral Weeks" weitgehend unbeachtet. 1978 würdigte es Lester Bangs mit einer hymnischen Kritik. Seither gilt es als Meisterwerk.

Nach 40 Jahren, in Los Angeles im Herbst 2008, hat es Van Morrison zum ersten Mal zusammenhängend aufgeführt. Das ist gerade schick: Brian Wilson, Rogers Waters und Metallica haben die eigenen Klassiker schon werktreu inszeniert. Van Morrison erlaubt sich allerdings, die Titelfolge zu missachten und die damals nachträglich hinzugefügten Streicher auf der Bühne zu platzieren.

Mancher Titel wird durch eine Fußnote erläutert, etwa: "Astral Weeks/ I Believe I've Transcendended". Transzendenz war 1968 eine große Sache. Deshalb dauert "Astral Weeks" durch ausgedehnte Improvisationen und zwei neue Stücke heute eine halbe Stunde länger, und Van Morrison kann wieder lachen.

3 von 5 Punkten

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Final Song # 1 (Get Physical)

Dem Tod blickt jeder anders ins Gesicht. Welche Musik sich Musiker zu ihrem eigenen Begräbnis wünschen, welche Art des Requiems, und was dies auch über die Musiker verrät, enthüllt diese morbide Sammlung. DJ Hell möchte, dass seine Trauergäste mit den Stranglers gute Laune kriegen. Andere möchten eher als Bildungsbürger in Erinnerung bleiben, mit den Beach Boys, Brian Eno und Erik Satie. Gilles Peterson will seine Pioniertaten durch Acid Jazz gewürdigt wissen. Und Ricardo Villalobos sehnt sich vom globalen Plattenteller zum chilenischen Protestgesang zurück. Zur Erde und zum Staub.

3 von 5 Punkten

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Ben Kweller: Changing Horses (ATO)

Nichts gegen jüngere, unrasierte Männer, die sich mit antiken Epiphone-Gitarren ins Heu setzen und Lieder singen, die "Old Hat" heißen oder "The Ballad Of Wendy Baker" und exakt so klingen. Wirklich nichts. Jetzt ist es aber auch mal gut.

2 von 5 Punkten

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Andrew Bird: Noble Beast (Bella)

Manchmal heißen solche Erntedank-Songs sogar "Natural Disaster".

2 von 5 Punkten

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The Who: Live at the Isle Of Wight Festival 1970 (Eagle)

"Ladies and gentlemen, a nice Rock 'n' Roll Band", wird mit warmen Worten angesagt, also mit englischem Humor. Denn was am 29. August 1970 auf der Insel Wight geschah, lässt sich zwar schlecht in Worte fassen, aber gut auf zwei CDs. 600.000 Zuschauer verfolgten fassungslos The Who auf ihrem Schaffensgipfel: ihr Konzert für Fransenjacke und Gewitter-Schlagzeug, Düsenjet-Gitarre und Lawinenbass. Zwei Stunden "Tommy", eingerahmt von Hymnen an die Jugend und den Unsinn des Erklärens. Anschließend vergaß die Gruppe sogar, ihre Instrumente zu zertrümmern. Auch der Mitschnitt wurde nun wieder mit aller Liebe restauriert.

5 von 5 Punkten

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5 Punkte: Meilenstein

4 Punkte: Sehr empfehlenswert

3 Punkte: Solide

2 Punkte: Eher schwach

1 Punkt: Ziemlich missraten

0 Punkte: Totales Desaster