Berliner Opernstiftung

Was aus den Berliner Opern werden soll

Personalquerelen und Verteilungskämpfe - Am Montag streiten die drei Opern-Intendanten und Politiker über die Zukunft der Berliner Opernhäuser. Dabei geht es natürlich auch ums Geld. Die Subventionskürzungen wurden aufgehoben und 20 Millionen Euro auf den gut 96-Millionen-Etat draufgelegt. Jetzt wird erbittert um die Mittel gekämpft.

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Oper ist, wenn mit einem Messer im Rücken strahlend weiter gesungen wird. Die Oper als höchste bürgerliche Kunstform pflegt von jeher die diskursive Selbstverletzung. Gerade auch hinter den Kulissen. Seit die drei Berliner Opernhäuser 2004 in einer eigenen Stiftung zusammen geführt wurden, haben die Verstümmelungen deutlich zugenommen.

Sie geschehen künstlerisch auf offener Bühne, oftmals hinter politischen Kulissen und manchmal auf öffentlichen Konferenzen. Am Montag tagt wieder so ein Opern-Tribunal, und wenn man so will, dann richten die anwesenden Intendanten und Politiker bei der Konferenz im Radialsystem V auch über sich selbst.

Handstreichartige Personalwechsel

Gastgeber und Moderator Stephan Mösch von der Fachzeitschrift "Opernwelt" hält die Konferenz für überfällig: "Der Stiftungsdirektor wird handstreichartig ausgetauscht; wer Intendant der Lindenoper wird, entscheidet sich in einem New Yorker Hotelzimmer; die Deutsche Oper meldet einen ,Ausnahmezustand' an und muss zentrale Premieren streichen: Solche Turbulenzen zeigen doch, wie labil die Situation der drei Opernhäuser ist. In vielem ist sie sogar labiler als vor der Stiftungsgründung. Auch wenn das von der Politik schöngeredet wird."

Bei der Bestandsaufnahme, die viereinhalb Stunden dauern soll, sitzen nicht nur die drei Berliner Opernintendanten auf dem Podium, sondern auch Chefs, die Erfahrungen haben in anderen Städten mit drei oder mehr Opernhäusern. Deshalb kommen Gérard Mortier aus Paris und Roland Geyer aus Wien. Beide waren selbst zu unterschiedlichen Zeiten für Berlin im Gespräch und haben ihre Sicht auf hiesige Querelen. Dabei sein wird Klaus Zehelein als Präsident des Deutschen Bühnenvereins. "Leider ist der Regierende Bürgermeister unserer Einladung nicht gefolgt", sagt Mösch.

Auf dem Podium sitzen dafür sein Widersacher, der geschasste Stiftungsdirektor Stefan Rosinski, und Kirsten Harms, die Noch-Intendantin der Deutschen Oper. Beide gehören zu jenen, die verzweifelt weitersingen, bis sich der Vorhang senkt. Kirsten Harms musste kürzlich hilferufend verkünden, dass ihre Charlottenburger Oper strukturell unterfinanziert sei und im Jahr 2008 ein Defizit von rund 800.000 Euro angesammelt hat. Angesichts der Milliarden, die derzeit weltweit ausgeschüttet werden, mag man über diese Summe nur den Kopf schütteln. Aber an Peanuts haben sich schon andere verschluckt.

Bereits im Dezember hat ihr der Regierende Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) mitgeteilt, dass ihre Amtszeit wohl 2011 endet. Allerdings haben bisher, ist zu vernehmen, alle potenziellen Nachfolger abgewinkt. So lange kämpft Frau Harms wagemutig weiter. Forderte sie kürzlich noch zwei Millionen Euro mehr für ihr unterfinanziertes Haus, heißt es jetzt geradezu tollkühn: "Die Deutsche Oper muss über kurz oder lang der Staatsoper wieder finanziell gleichgestellt sein". Das wird sie am Montag nicht nur künstlerisch gut begründen müssen.

"Ich glaube nicht, dass die Deutsche Oper mit Frau Harms aus den Problemen herausgeführt werden kann", sagt Alice Ströver: "Die Personalie sollte möglichst schnell und geräuschlos geklärt werden."

Abgesehen von personellen Querelen und dem Vorwurf von "hausgemachten Fehlern" stimmt die bündnisgrüne Kulturpolitikerin der Intendantin zu, dass die Gelder innerhalb der Opernstiftung "ungerecht verteilt sind". An der Deutschen Oper gäbe es eine Unterfinanzierung.

Verteilungskämpfe in der Stiftung

Hintergrund der neuerlichen Verteilungskämpfe innerhalb der Stiftung ist, dass die ursprünglich verhängten Subventionskürzungen im letzten Jahr de facto wieder aufgehoben wurden. 20 Millionen Euro wurden auf den gut 96-Millionen-Etat draufgelegt. Zehn Millionen bekam allein die Staatsoper. Der Rest, inklusive das Staatsballett, den Rest. Es ist immer zu wenig.

"116 Millionen Euro Subventionen für die Opern sind gut ein Drittel unseres Etats, da müssen am Ende vernünftige Dinge herauskommen", sagt Ströver: "Gerade in meiner Klientel ist das Thema schwer zu vermitteln." Allerdings findet sie die immer wieder aufkommende Dubletten-Diskussion, darf ein Werk an allen drei Häusern gleichzeitig gespielt werden, albern. Aber, so Ströver, "wir sollten schon einmal ernsthaft über die realen Spielabende der drei Opern pro Saison reden. Wenn die Haushälter da einmal intensiver draufschauten, kämen sie womöglich auf die Idee, dass zwei Häuser für die Aufführungszahlen allemal ausreichen würden." Demnach wird auch die Fusionsdiskussion am Montag zu erwarten sein.

Gastgeber Mösch hat jedenfalls hohe Erwartungen an die Konferenz: "Mit einer Politik des ,Immer-So-Weiter' ist niemandem gedient. Die Personalentscheidungen der letzten Wochen waren zu wenig mit einer Sachdiskussion verknüpft. Deshalb wollen wir versuchen, über Inhalte zu sprechen, Chancen und Grenzen zu sondieren. Dass alle sich lieben, jeder das Beste tut und die Zukunft rosig ist, muss nicht neu verkündet werden."

Der ebenfalls auf dem Podium sitzende Intendant der Komischen Oper, Andreas Homoki, zeigt sich deutlich distanzierter: "Intendanten werden dafür bezahlt, ihren künstlerischen Überzeugungen treu zu bleiben und sich nicht von parteipolitisch orientierten Scheindebatten aus dem Konzept bringen zu lassen. Das gilt überall, aber in Berlin am meisten. Leider!" Homoki verabschiedet sich 2012 nach Zürich.

Radialsystem V , Holzmarktstr. 33, Mitte. Montag von 18 bis 22,30 Uhr. Eintritt frei. Veranstaltet von Stiftung Zukunft Berlin, "Opernwelt" und Deutscher Akademie der Darstellenden Künste