Juni

Warum Futurama besser ist als die Simpsons

Schon 400 Folgen lang flimmern die Simpsons über den Bildschirm. Im Juli erobert die gelbe Familie aus Springfield die große Leinwand. Dabei wären ihre Artverwandten aus „Futurama" die besseren Kinostars.

Foto: - / ProSieben

Wenn Homer Simpson seine gelbe Familie ins Auto packen würde, um dem beschaulichen Springfield und seiner 18jährigen Existenz als animierter Superstar endgültig zu entfliehen, ginge ein Aufschrei durch die Fangemeinde. Petitionen würden verfasst, Hassbriefe geschrieben, vielleicht würde für ein Recht auf die tägliche Portion Simpsons sogar demonstriert. Homer, Bart, Marge, Maggie und Lisa absetzen - das würde sich niemand trauen. Ganz im Gegenteil: Gerade ist in den USA die 400. Folge ausgestrahlt worden und im Juli beweist sich die Familie auf der Kinoleinwand. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Als 2002 ein anderes Trickfilm-Juwel des Simpsons-Erfinders Matt Groening nach nur 72 Folgen starb, blieb die Trauerwelle zumindest in Deutschland aus. Schade, denn Fry, Leela, Bender und die restliche Futurama-Crew hätten mehr Tränen verdient. „Wir sehen uns auf einem anderen Kanal“, so hatte sich die Space-Crew in ihrer letzten Folge im Stile einer großen Oper verabschiedet. Doch sie kamen nicht zurück. Danach herrschte Funkstille. Der ungeliebte „Simpsons“-Ableger wurde vom Sender eiskalt abserviert. Dabei war das Potenzial der Serie auch für eingefleischte Simpsons-Fans vielversprechend – wäre nur die deutsche Übersetzung nicht so unterirdisch schlecht gewesen. Pizzabote Fry, der in der Silvesternacht 1999 bei der Lieferung an ein Labor versehentlich in einen Kältesarg fällt und erst im Jahr 3000 wieder aufgetaut wird, steht Homer an Tollpatschigkeit in nichts nach. Im New New York wird er permanent von spacigen Schiebetüren eingequetscht und kommt schon in der allerersten Folge fast ums Leben, als er in einer auf Selbstmord programmierten Telefonzelle landet.

Die Superfrau kann alles

Der ewig fluchende Roboterfreund Bender, eine Art automatisierte Mischung aus Bart und Homer, ist versoffen,

klepotmanisch, verlogen und mutiert zum Folksinger, wenn ein Magnet in die Nähe seines Kopfes kommt. Frys Herzdame, die einäugige Leela, ist der Raumschiff-Kapitän des Paketdienstes „Planet Express“, bei dem die „Futurama“-Crew arbeitet. Die Superfrau kann alles - nur nicht parallel einparken. Mit dem limbotanzenden Bürokraten Hermes, der naiv-einfältige Praktikantin Amy, dem selbstverliebten Captain-Kirk-Verschnitt Zapp Brannigan und dem krabbenartigen Dr. Zoidberg, der keine Ahnung von der menschlichen Physiologie hat – erschuf Groening eine Reihe von liebenswerten Charakteren, die sich im Laufe der Serie weiter entwickeln. Anders als bei den Simpsons bauen die einzelnen „Futurama“-Folgen stärker aufeinander auf.

Polizisten, die Laserschwerter als Schlagstöcke verwenden, die Ruinen von Old New York als Mutanten-Zufluchtsort, eine Fahrt im Titanic-Raumschiff, ein Krieg zwischen Pacmann, Donky Kong und den Space Invaders und die konservierten Köpfe von Leonard Nimoy alias Mister Spock, Präsident Nixon bis zu den Beastie Boys in kleineren Nebenrollen: Die Zukunft in New New York erlaubte den Machern grenzenlose Kreativität – sie hatten ein ganzes Universum zur Verfügung und nicht nur das kleine Springfield.

Die Simpson-Manie

Große Momente und geniale Einfälle gab es natürlich auch bei den glubschäugigen Vierfingerlingen aus der Kleinstadt. Doch in der Ebbe zwischen den erinnerungswerten Folgen scheint es, als hätte die nie alternde und sich nie verändernde Familie Simpson alles erlebt, was sich im beschaulichen Springfield erleben lässt. Fehlende Ideen werden mit immer neuen Hollywood-Stars vertuscht: Kaum ein Promi, hat sich die Chance entgehen lassen, in die animierte Welt einzutauchen.

Auch in der Realität ist die Simpsons-Manie ausgereizt: Es gibt kaum einen Gegenstand, der nicht mit dem Abdruck eines donutsverschlingenden Homers gekauft werden kann - ob Tassen oder T-Shirts, Unterhosen oder Pantoffeln. Immerhin: Diese nervtötende Allgegenwart blieb Fry, Bender und Co erspart. Futurama habe keine Chancen gehabt, weil es vom Sender nicht in der gleichen Weise unterstützt wurde, sagte Groening einmal frustriert in einem Interview. Beharrlich halten sich aber die Gerüchte, dass neue Futurama-Folgen zumindest auf DVD erscheinen werden.

Futurama im All

Ins Kino schafft es leider nur der Dauerbrenner: Im Simpsons-Film soll Homer seine Heimatstadt retten. Dabei ist der

Familienvater dafür eigentlich viel zu faul. Er könnte so schön mit einer Flasche Duff-Bier in Moes Taverne entspannen, während die eigentlichen Experten im Planetenerretten sich noch mal richtig austoben.

Wie das geht, durften sie schon oft beweisen. In einer Futurama-Folge drohen Aliens, die Erde zu zerstören, weil ihnen die letzte Folge von „Ledige weibliche Anwältin“ (einer „Ally McBeal“-Parodie) vorenthalten wird. Sie können nur besänftigt werden, indem ein zufrieden stellendes Finale neu aufgenommen wird. Schade, dass Futurama nicht im All zu empfangen war.