Ausweichquartier wegen Sanierung

Senat gegen Staatsoper-Umzug in den Admiralspalast

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Stefan Kirschner

Kulturmanager Falk Walter will die Staatsoper unbedingt in seine Veranstaltungsorte holen. Sowohl den Admiralspalast in der Friedrichstraße als auch die Arena in Treptow hat der Veranstalter erneut als Ausweichquartier angeboten. Doch die Berliner Kulturverwaltung reagiert reserviert. Sie bleibt dabei: Wenn die Lindenoper wegen Sanierungsarbeiten geschlossen wird, zeiht diese in das Schillertheater um.

Falk Walter ist immer für eine Überraschung gut: Der ideenreiche Unternehmer und Kulturmanager, der Mitte der Neunzigerjahre mit viel Engagement ein Bus-Depot in Treptow zum angesagten Veranstaltungsort Arena verwandelte, will die Staatsoper in sein Haus holen. Allerdings in erster Linie nicht in die Arena – wobei er sich dort durchaus Neuproduktionen vorstellen kann –, sondern in den Admiralspalast. Das frühere Operettentheater an der Friedrichstraße hat Walter vor rund drei Jahren übernommen.

Walters Firma steckte Geld in die Sanierung, eröffnete spektakulär mit Klaus Maria Brandauers Inszenierung von Brechts „Dreigroschenoper“ im Sommer 2006 und holte in der Folgezeit viele Gastspiele, die früher im Schiller-Theater zu sehen waren, in den Admiralspalast. Eigenproduktionen wie „My Fair Lady“ im großen Saal mit rund 1700 Plätzen sind bislang die Ausnahme.

Kostengünstigerer Vorschlag

Und nach den neuesten Vorstellungen von Walter soll sich daran in Zukunft wenig ändern. Vor gut zwei Wochen erneuerte Walter gegenüber der Senatskulturverwatung seinen Vorschlag, der Staatsoper Unter den Linden den Admiralspalast als Ausweichquartier anzubieten. Die Staatsoper soll ab Sommer 2010 drei Jahre lang saniert werden. Als Ausweichquartier ist das Schiller-Theater vorgesehen.

Walter nannte seinen Vorschlag eine „sehr berlinische Lösung“, zumal die Staatsoper schon einmal von 1945 bis 1955 im Admiralspalast zuhause gewesen sei. Der Admiralspalast verfügt laut Walter über 1700 Zuschauerplätze, die Arena über 1350 (so viel wie die Staatsoper) und das Schillertheater über 900 Plätze.

Um das Haus als Ersatzspielstätte für den Opernbetrieb fit zu machen, sollen Anfang Januar 2009 die entsprechenden Arbeiten beginnen. Insofern überrascht der Vorstoß von Falk Walter zu diesem Zeitpunkt. Denn bereits 2007 hatte er den Admiralspalast als Ausweichspielstätte ins Spiel gebracht. Seinerzeit waren verschiedene Orte von der Verwaltung geprüft worden. Der Admiralspalast wurde aus Kostengründen verworfen. Jetzt hat Falk Walter eine kostengünstigere Variante angeboten.

Keine ernsthafte Alternative

Für die Berliner Kulturverwaltung ist der Admiralspalast bisher keine ernsthafte Möglichkeit als Ausweichspielstätte für Daniel Barenboims Staatsoper. „Für uns gilt Schillertheater“, sagte der Sprecher der Kulturverwaltung am Montag. Walter hatte den Admiralspalast laut Kulturverwaltung schon einmal als Ausweichspielstätte angeboten. „Angeblich gibt es bei ihm jetzt neue Überlegungen, die können wir uns gerne ansehen, aber dafür benötigen wir nachvollziehbare und prüfbare Unterlagen“, sagte Wöhlert.

Die will Walter „nach Abstimmung mit der Staatsoper“ jetzt vorlegen, wie er am Montag betonte. Die Schwierigkeit sei für ihn bisher gewesen, dass die Staatsoper zurzeit keinen Intendanten habe. Nach seinen Berechnungen würden nur 12 Millionen Euro für die Umbauten im Admiralspalast und der Arena benötigt, so dass dann immer noch zehn Millionen Euro für Investitionen zur künftigen Nutzung des Schillertheaters übrig blieben. Das Schillertheater soll nach bisherigen Plänen für rund 20 Millionen Euro umgebaut werden.

Auch die Staatsoper steht zum geplanten Umzug in den Westen, der hausintern allerdings nicht unumstritten ist. Die Intendanz erklärte am Montag, dass die „Staatsoper offen für jeden kostengünstigen Plan ist“, aber „die detaillierte Umbau-Planung für das Schiller-Theater vollzogen ist“. Zudem ließen die „neuen Ideen für den Admiralspalast noch viele Fragen unbeantwortet.“

Bereits im Juni 2007 sei gegen den Admiralspalast als Ersatzspielstätte entschieden worden, und zwar „wegen bühnentechnischer Mängel, wegen mangelnder Möglichkeit zur Unterbringung der Infrastruktur der Staatsoper sowie wegen der hohen Gesamtkosten“. Vor zweieinhalb Wochen habe Walter mit der Staatsoper sein neues Konzept einer Kombination der beiden Spielstätten Admiralspalast und Arena diskutiert, das teilweise überraschende Veränderungen der Bühne enthalte. Dabei blieben aber „noch viele Fragen unbeantwortet“ wie zum Beispiel das Finanzierungskonzept. Die Arena in Treptow komme im Übrigen aus technischen Gründen nur für Sonderprojekte der Staatsoper in Frage, betonte die Lindenoper.

Der Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) hatte vor einem Jahr den Sanierungsplan für die Lindenoper vorgestellt. Danach soll das 1993 als Staatliche Schauspielbühne geschlossene und seitdem für Tourneegastspiele benutzte Schillertheater 2009 für 20 Millionen Euro renoviert und als Ausweichspielstätte für die Staatsoper hergerichtet werden. Die Wahl des 1951 wieder eröffneten Schillertheaters als Ausweichbühne sei die günstigste Variante vor dem Hintergrund der Kosten, der Zuschauerkapazität und der Einnahmeerwartungen, erklärte Wowereit.

Mit der voraussichtlichen Absage kann Falk Walter nach eigenen Angaben auch leben. Es werde dann halt nichts aus der erhofften Verschnaufpause nach der „anstrengenden Anfangszeit im Admiralspalast“.

mit dpa/mim