Valkyrie

Thomas Kretschmann steht Tom Cruise bei

In Hollywood hat es der Berliner Thomas Kretschmann bereits geschafft – nun soll er Tom Cruise helfen. Dessen Filmfirma United Artists bat den deutschen Schauspiler, mit Cruise die gemeinsame Produktion "Valkyrie" dem Kuratorium der Golden Globes vorzustellen. Mit dem begehrten Preis will der bekennende Scientologe Cruise seiner Karriere neuen Schwung verleihen.

Thomas Kretschmann („King Kong“, „Der Pianist“), einer der ganz wenigen deutschen Schauspieler, die es geschafft haben, in Hollywood eine feste Größe zu werden: Am Mittwoch steht der Berliner dem US-Kollegen Tom Cruise bei einem der entscheidensten Momente seiner Karriere zur Seite: Am Vormittag werden die beiden zusammen mit der niederländischen Darstellerin Carice van Houten (hat in „Valkyrie“ die Rolle der Stauffenberg-Ehefrau Nina übernommen) in Los Angeles (USA) dem Kuratorium der Golden Globes ihren Film „Valkyrie“ (Walküre) vorstellen. Mit dem Ziel, dass der in Berlin gedrehte Streifen für die 66. Verleihung der Awards am 11. Januar 2009 nominiert wird.

Cruises Karriere stagniert seit Jahren. Ein internationaler Filmpreis, so scheint es, soll den 46-Jährigen davor bewahren, als Schauspieler und Produzent in Vergessenheit zu geraten. Und Kretschmann, der in der Bryan-Singers-Produktion die Rolle des deutschen Wehrmachts-Generals Otto Ernst Remer übernommen hat, lässt sich für die Valkyrie-Präsentation sogar bei der Premiere des ARD-Films „Mogadischu“ entschuldigen (er spielt den Kapitän der „Landshut“, Jürgen Schumann).

Er sei von Cruises Filmfirma United Artists darum gebeten worden, gemeinsam mit dem Hollywood-Schauspieler Cruise dem Golden-Globe-Kuratorium „vor Ort Rede und Antwort hinsichtlich des Films zu stehen“, sagte Kretschmanns Managerin Ute Zahn. „Natürlich wäre er auch sehr gerne bei der Premiere von ,Mogadischu’ in Berlin gewesen. Aber ‚Valkyrie’, der Film ist für die Welt gemacht“, sagte sie.

Deshalb werden Kretschmanns ,Mogadischu’-Kollegen (Herbert Knaup, Christian Berkel und Jürgen Tarrach) ohne Kretschmann über den roten Teppich ins Cinestar am Potsdamer Platz laufen. Aber: „Er hat Dankesworte hinterlassen“, sagte Ute Zahn. Kretschmann war erst am Montag aus Los Angeles nach Berlin geflogen, um im Kino International den ProSieben-Zweiteiler „Der Seewolf“ vorzustellen. Am Dienstag flog er gleich wieder in die USA.

Für „Valkyrie“, der bereits im Juli 2008 in den Kinos zu sehen sein sollte. Aber mit der Verfilmung der „Operation Walküre“, dem gescheiterten Attentat am 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler, hat es von Anfang an Probleme gegeben. Zunächst hagelte es weltweit Kritik, weil Scientology-Mitglied Cruise den geschichtsträchtigen Berliner Bendlerblock, in dessen Innenhof der Widerständler Claus Schenk Graf von Stauffenberg und einige Mit-Verschwörer hingerichtet wurden, als Drehort für seinen US-Spielfilm nutzen wollte. Es kam zum Dreh-Verbot, das aber wieder aufgehoben wurde. Für Aufregung sorgte auch eine Panne, die dazu führte, dass sich Komparsen, die beim Dreh von Auto-Ladeflächen fielen, verletzten. In deren Namen forderte eine Berliner Anwältin von der Produktionsfirma United Artists elf Millionen Dollar Schmerzensgeld. Darüber hinaus gab es technische Pannen (Filmmaterial wurde beim Überspielen zerstört) und Vorwürfe über schlechte Synchronisation und inhaltliche Mängel.

Der Kino-Start von „Valkyrie“ wurde dreimal verschoben – zuletzt auf Februar 2009. Das kommt jetzt Tom Cruise und seinem Team um Sebastian Koch, Matthias Schweighöfer, Wotan Wilke Möhring, Bill Nighy und Eddie Izzard zu Gute. So können sie an der Filmpreis-Saison teilnehmen, die mit der Verleihung der Golden Globes beginnt und mit der Oscar-Zeremonie am 22. Februar endet. Weiterhin ist im Gespräch, dass „Valkyrie“ die 59. Berlinale 2009 (5. bis 15. Februar) eröffnen könnte. Allerdings außerhalb des Wettbewerbs.

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