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Boris Becker ist am Herd scharf wie Chili

Alle Welt schwärmt vom Sommermärchen 08: Boris Becker verlobt sich mit einer 24-jährigen Schmuckdesignerin. Doch wer ist der Mann, auf den sie sich da einlässt? In der Reihe „Boris meets ..." outete sich der Ex-Tennisprofi als Jungfrau am Herd. Doch das war nur die halbe Wahrheit.

Foto: obs / dpa

Man kann gegen Boris sagen, was man will. Aber lernfähig ist er doch. Im Alter von 40 Jahren hat er jetzt entdeckt, dass seine bescheidene Hütte auf Mallorca, 600 Quadratmeter Wohnfläche, drei Gästehäuser, ein Pool, auch eine, wie sagt man, Küche hat.

Es ist nur ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für unseren Bobele. Jetzt, da er öffentlich verkündet hat, dass er den vorerst letzten Punkt auf seiner To-Do-Liste abhaken kann, da ihm ein erneuter Becker-Hecht in Richtung Ehe gelungen ist. Jedenfalls erlebte man bei Pro Sieben, wie der dreifache Wimbeldon-Sieger ein wenig verloren in seiner tennisplatzgroßen Küche am Herd stand, ein Mann und eine Pfanne, und verzweifelt nach dem Salz suchte.


Wer sich jetzt bei dem Wunsch ertappt, nach Beckers Stirn zu tasten, um sich zu vergewissern, dass der ehemalige Tennisprofi kein Fieber hat, der sei beruhigt. Erstes dürfte sich seine Auserwählte, eine schmucke 24-Jährige, die Schmuck entwirft, wenn sie nicht gerade selber als solcher am Arm getragen wird, in seiner Küche besser auskennen als er in seiner Hosentasche. Und zweitens war die Szene gestellt.


In der Reihe „Boris Becker meets... “ (ProSieben) hatte sich gestern mit Tim Mälzer Deutschlands meistbeschäftigter TV-Koch zu Besuch angesagt. Bei dem möchte man nicht Praktikant sein. Der ist dafür bekannt, dass er Anfänger gnadenlos in die Pfanne haut.

Weshalb der Gastgeber gut beraten war, erst mittels Navigator die Küche in seiner Finca zu orten und dann schon mal probehalber ein Ei in die Pfanne zu schlagen. Mit dem treuherzigen Augenaufschlag eines Dackels, den sein Frauchen soeben an der Autobahnraststätte ausgesetzt hat, verkündete BB: „Ich möchte wissen, wie man mit einfachen Mitteln gut kocht.“ Das, jawohl, würde ihm im Haushalt weiterhelfen.

Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, ging eine eigenartige Verwandlung mit ihm vor. In Gedanken sah man schon, wie ihm Schulterklappen wuchsen und er sich in einen jener Generäle verwandelte, wie man sie aus der TV-Werbung für einen Putzmittelhersteller kennt. Doch bevor er auch noch zu Schrubber und Eimer greifen konnte, um die Folgen seines Küchen-Waterloos zu beseitigen, hatte sich Tim Mälzer schon mit dem Fahrrad hinauf zu Beckers Finca gequält.

Die Lovestory entwickelt sich amüsant

Es war ein steiler Anstieg, doch er sollte sich lohnen. Jedenfalls für alle die Zuschauer, die sich mehr für die vom Boulevard zum Sommermärchen hochgejazzte "Lovestory" zwischen Boris und seiner schmucken Schmuckdesginerin interessieren als für einen TV-Koch mit Burnout-Syndrom, der einräumte, er brauche dringend eine Auszeit: „Ich habe gearbeitet wie eine Hafennutte – 16, 18 Stunden am Tag.“

To Mälzer oder not to Mälzer, das war nicht die Frage. Das erkannte am Ende auch der TV-Koch. Der Titel des Formats, „Boris Becker meets...“ wecke falsche Erwartungen, analysierte der Workaholic von der Waterkant messerscharf. „Das heißt nicht: Tim kocht und Boris guckt zu.“ Nein, wenn sich sein Gastgeber schon den Wanst vollschlagen wolle, solle er gefälligst selber in der Küche nützlich machen.

Leichter gesagt, als getan. Schon ein Blick in Beckers Kühlschrank hatte Mälzer offenbar in dem Vorurteil bestätigt, dass er in dieser Küche nicht die erforderliche Grundausstattung finden würde, um ein Menü zu zaubern, das die Spiegeleier à la Bobele in den Schatten stellte. „So habe ich mir das vorgestellt: "Vorne das Gesunde – und hinten das Dosenbier.“

Man erfuhr in dieser Folge also wieder einmal mehr über BB als über seine Interviewpartner. Und weil man ihn mit den Augen eines Handwerkers sah, der sich erst gar keine Mühe gab, zu leugnen, dass ihm feingeistig schwafelnde Träger rosafarbener Oberhemden schon immer suspekt waren, war dieser Wettstreit zwischen „dem Koch und dem alten Mann“ (Mälzer) sogar richtig unterhaltsam.

Lästern a la Mälzer

Schon an der Finca „Con Soli“ dem gediegen eingerichteten Beckerschen Refugium im Nordosten der Insel mit afrikanisch angehauchtem Interieur ließ Mälzer kein gutes Haar: „Außen unspektakulär, innen Hansa-Park.“ Keine Frage: Für einen Junggesellen war diese Hütte nicht nur eine, sondern mindestens drei Nummern zu groß. Womit sich die Frage erübrigt, womit Beckers Ehefrau in spe, eine gewisse Sandy, ihre Zeit verbringen soll, wenn der letzte Quadratzentimeter Haut an Boris`Arm mit Schmuckamuletten belegt ist.

Er wolle ein Kind von Sandy, hatte BB nach dem geglückten Überrumpelungsmanöver "Verlobung" vollmundig verkündet – nicht ohne dezent darauf hinzuweisen, dass noch kein Braten in der Röhre stecke. Dem Mann ist es offenbar tatsächlich ernst. Der Größe seiner Finca nach zu urteilen, wird die gute Sandy in Zukunft möglicherweise kaum noch Zeit zum Glücksamulette-Schmieden bleiben. Es gibt dort Platz genug für einen ganzen Kindergarten.

Das lässt hoffen. Oder fürchten. Der Teilzeit-Daddy dreier Kinder von zwei Frauen präsentiert sich als stolzer Familienvater. „Überall stehen Bilder von den Bratzen“, knurrt sein Gast beim Rundgang durch die Villa.

Womit wir bei Beckers Lieblingsthema wären. Familienplanung. Ob auf dem Fahrrad, im Cabrio, im Hubschrauber oder auf dem Boot - da war unser Dream-Team undercover den ganzen Tag lang auf der Insel unterwegs, damit das Kamera-Team die knallharte Recherche Beckers („Wie wird man als Kerl Koch?“) mit schönen Bildern von weißen Stränden und hügeligen Olivenhainen illustrieren und Mälzer nebenbei Zutaten für das Abendessen pflücken/angeln/kaufen konnte.

Was gar nicht so leicht war, da Bobele sogar noch auf einer Olivenplantage hinter den klodeckelgroßen Gläsern seiner Sonnenbrille als solcher erkannt wurde. „Tennisstar?“, fragte ein Mallorquiner. „No, movie star“, entgegnete der sonnenverbrannte Wallraff der Glamour-Branche da, ohne rot zu werden.

Doch erst gegen Abend traute sich Becker an das richtig heiße Eisen heran. Wie es denn im Hause Mälzer mit Nachwuchs aussehe, wollte er wissen, während er sich nach der Spiegelei-Panne in der eigenen Küche an die Lektion für Fortgeschrittene wagte und dem TV-Koch beim Salzen eines Spanferkels zur Hand ging. Ob er denn kein gar kein Bedürfnis verspüre, seinen „Stammbaum weiterzugeben“?

Spätestens jetzt drohte dem Beckerchen Dampfkochtopf der Deckel wegzufliegen. Und nicht einmal die Chili-Schoten „mit Bums“, die Mälzer nicht ganz uneigennützig für ihn ausgesucht hatte ( „Boris mag es gerne scharf. Mal sehen, wie scharf er es wirklich aushält“), konnten ihn noch stoppen. Hätte die Regie Bobele nicht unauffällig gestikulierend zu verstehen geben können, dass er im Begriff war, sich um Kopf und Kragen zu reden? Zu spät.

Er habe nicht das Bedürfnis, sich zu vermehren, erklärte Mälzer. Und falls doch, werde bei der Familienplanung räusper, planvoller vorgehen als Becker. Außerdem hätte er der Nachwelt schon etwas hinterlassen. Seine Kochbücher.

Man hätte an dieser Stelle gerne das Gesicht der schmucken Schmuckdesignerin gesehen. Sollte ihr Bumm-Bumm-Boris die Nachwelt doch mit dem Bekenntnis verblüffen: „Ich wüsste nicht, was ich mit einem Kochbuch anfangen sollte.“

Möglicherweise kann sie Bobele bald aus seinem Dilemma befreien. Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Tim Mälzer konnte er mit dieser Frage jedenfalls nicht mehr schocken. „Ins Buchregal stellen“, riet der TV-Koch.