Zitadelle Spandau

Robin Gibb erntet in Berlin frenetischen Jubel

Robin Gibbs Konzerte wohnt immer ein Hauch von Exklusivität inne. Am Freitagabend hatten die Besucher der Spandauer Zitadelle die Ehre, den letzten Bee Gee in der Zitadelle Spandau zu hören. Mit kleinen Gesten, aber vielen Hits aus den 60er- bis 80er-Jahren wusste der schlacksige 58-Jährige die Bühne zu füllen.

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Die geradezu minimalistische Schlichtheit dieses Freitagabends in der Zitadelle Spandau besticht. Vier Musiker, Bass, Gitarre, Schlagzeug und ein Keyboarder für den ganzen orchestralen Rest, dazu zwei Chorsängerinnen und ein Sänger. Und an der Rampe steht Robin Gibb, der letzte der Bee Gees, der das Vermächtnis dieser so Pop prägenden Formation weiterträgt und verwaltet. Seine Brüder Maurice und Andy sind beide gestorben, Bruder Barry Gibb, der Beau der einstigen Bee Gees, ließ zuletzt nur noch mit seiner Arbeit mit Barbra Streisand von sich hören. So ist es an Robin, dem schlaksigen 58-Jährigen, die Hits der Bee Gees auf den Live-Bühnen am Leben zu halten.

Er tritt nur selten auf, und so wohnt Konzerten von Robin Gibb stets ein Hauch von Exklusivität inne. Jetzt in der Zitadelle Spandau war es der Berliner Rundfunksender 105,5 Spreeradio, der Robin Gibb zum Konzert nach Berlin holte. Schon Anfang des Jahres war Robin Gibb für ein tatsächlich exklusives Spreeradio-Konzert in Berlin, im Admiralspalast. Damals gab er zwei Versprechen, er werde wiederkommen, und er werde seinen Bruder Barry mitbringen. Nun, das mit dem Wiederkommen hat er eingehalten, doch Bruder Barry war nicht dabei. „Nächstes Mal“, so sagte er nun in der Zitadelle, „bringe ich Barry mit.“

Das Motto „Große Stars auf kleinen Bühnen“, das der Sender für seine Hörerkonzerte ausgeheckt hat, scheint freilich etwas deplatziert für diese bestuhlte und ausverkaufte Show. Die Bühne ist ganz schön groß. Aber Robin Gibb weiß sie zu füllen, kann er doch auf ein Hit-Repertoire aus vier Dekaden zurückgreifen. Der Bee-Gees-Song „Emotions“ eröffnet den anfangs noch etwas verregneten Abend. Robin Gibb im lässig dunklen Anzug hält immer wieder den Daumen in die Höhe und winkt ins Publikum.

Das ist – bis auf die drei Videowände im Hintergrund – auch schon die ganze Bühnenshow. Dafür kann er aber in einem kompakten 70-Minuten-Programm ausschließlich auf Songs zurückgreifen, die nahezu jedem ein Begriff sind. Balladen wie „I Started A Joke“, „Words“ oder „Massachusetts“ aus der Frühphase, Disco-Kracher wie „Nights On Broadway“ oder „Night Fever“ aus der „Saturday Night Fever“-Comeback-Zeit, dazwischen natürlich eigene Hits wie „Saved by the Bell“ oder „Juliet“.

Die Band hat die stets knappem Stücke perfekt verinnerlicht, die Chorsänger sorgen für mehrstimmiges Bee-Gees-Flair und Robin Gibb, nicht immer wirklich bei Stimme, hat große Momente und versteht es, seinem Publikum ein Gefühl von Nähe zu geben. Und Größe. Denn kaum eine Band war neben den Beatles so erfolgreich wie die Bee Gees in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren. Der Jubel ist trotz trister Witterung frenetisch und ausgelassen. „Jive Talking“, „Stayin’ Alive“ und „Tragedy“ gibt es als Zugabenblock; und als die Menge immer noch lautstark mehr einfordert, kehren Robin Gibb und Band noch mal zurück – und spielen einfach noch mal den Disco-Kracher „Staying Alive“, bevor der Abend mit einem furiosen Höhenfeuerwerk endet.

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