183 Millionen Euro fordert der ehemalige Chef des Berliner Aufbau Verlags, Bernd F. Lunkewitz, von der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben zurück. Das Unternehmen war in Folge eines Rechtsstreits in die Insolvenz gegangen. Jetzt äußert sich Lunkewitz dazu.

Der Immobilienhändler und Chef des Aufbau-Verlags Bernd F. Lunkewitz fordert von der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) 183 Millionen Euro zurück. Die BvS ist die Rechtsnachfolgerin der Treuhand, und die Treuhand hatte Lunkewitz 1991 den Aufbau-Verlag verkauft, obwohl der nie Eigentum der Treuhand war und also nie von ihr verkauft werden konnte. Lunkewitz klagte, doch die BvS und das ihr vorgesetzte Bundesfinanzministerium erkannten seine Forderungen in Höhe von zunächst rund 50 Millionen weiterhin nicht an.

In einem Gespräch mit dem „Spiegel“ sagt Lunkewitz, die Geschäftsleitung des Aufbau-Verlages habe ihn gebeten, „dem Bundesfinanzminister noch bis zum 30. Mai eine Chance einzuräumen, den von seiner Behörde angerichteten Schaden zu regulieren. In diesem Fall wäre es nie zu der Insolvenz gekommen. Ende Mai kamen ablehnende Briefe des Ministeriums, das uns auf den Rechtsweg verwiesen hat. Mit anderen Worten: Verklagen Sie uns doch!“

Nachdem Lunkewitz dem defizitären Haus keine Unterstützung mehr zusagen wollte, musste die Geschäftsführung des Verlags am 30. Mai Insolvenz anmelden. Natürlich hätte Lunkewitz versuchen können, ihn mit dem 1995 rechtmäßig erworbenen Aufbau-Verlag zusammenzuführen und die Geschäfte weiterlaufen zu lassen. Doch gegen ein solches Vorgehen sprachen, wie er im „Spiegel“-Gespräch sagt, „sehr viele rechtliche Bedenken“. Vor allem aber hätte er, wenn er alles in eine einzige vereinte Gesellschaft einbrächte, „sämtliche Ansprüche gegen die Bundesrepublik Deutschland fallen lassen müssen“. Wie es für die Angestellten des Berliner Aufbau-Verlags weitergeht, ist zunächst offen. „Die insolvente GmbH gehört dem Bundesfinanzminister, rückwirkend seit 1991“, sagt Lunkewitz. „Fragen Sie doch Peer Steinbrück, wie er mit den Mitarbeitern umzugehen gedenkt.“

Inzwischen hat Lunkewitz in Frankfurt am Main eine neue „Alte Verlags GmbH“ gegründet, die unter anderem die Geschäfte des 1995 rechtmäßig erworbenen Aufbau-Verlags fortführen soll. Er hält offenbar an seinen bisherigen Plänen fest, ihn zu verkaufen.

„Aus meiner Sicht wird der Geschäftsbetrieb von einem größeren Verlag übernommen, denn er ist mit einem Umsatz von weniger als 15 Millionen Euro zu klein, um auf Dauer wirtschaftlich zu arbeiten“, resümiert Lunkewitz, um noch im gleichen Atemzug für die besonderen Qualitäten des Hauses zu werben, in dem er 17 Jahre als Verleger tätig war: „Die Mitarbeiter der Aufbau-Verlagsgruppe GmbH gehören zu den Besten der Branche. Jeder Käufer des Verlags wäre verrückt, sie nicht zu übernehmen.“ An seiner Entschlossenheit lässt Lunkewitz keinen Zweifel und ist sich offenbar sicher, die unübersichtliche Affäre beenden zu können: „Die Bundesregierung hat versucht, dem Kulturbund den Aufbau-Verlag wegzunehmen. Das ist ihr nicht gelungen. Jetzt versucht die Geschäftsführung zusammen mit dem Insolvenzverwalter, mir den Aufbau-Verlag wegzunehmen. Das wird auch nicht gelingen. Die Tragödie hat 14 Jahre gedauert, diese Farce jetzt wird in wenig mehr als 14 Tagen vorbei sein.“