Meinung

Es braucht mehr Transparenz bei der Polizei

Die Polizei hält Zahlen zu Unfällen mit Streifenwagen geheim. Das muss sich ändern, findet Philipp Siebert.

Philipp Siebert kommentiert.

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Foto: BM / dpa

Corpsgeist, Nibelungentreue, Vertuschung: Mit Beginn des Prozesses gegen den Beamten Peter G. am Dienstag muss sich die Berliner Polizei auch diesen Vorwürfen wieder stellen. Denn auch zwei Jahre nach dem tödlichen Unfall auf der Grunerstraße in Mitte bleibt unklar, warum G., bei dem später in der Charité ein Blutalkoholwert von 1,1 Promille festgestellt wurde, am Unfallort nicht pusten musste. Warum ihn sein Vorgesetzter per Krankenwagen wegfahren lassen haben soll, bevor die Unfallermittler kamen. Warum das erst ein Jahr danach bekannt wurde.

Später wurden zwar Fehler eingeräumt. Polizeipräsidentin Barbara Slowik entschuldigte sich bei den Hinterbliebenen. Der Forderung nach mehr Transparenz will die Polizei aber offensichtlich nicht nachkommen. Denn einen Tag nach Prozessbeginn – am Mittwoch – soll die Verkehrsunfallbilanz für 2019 vorstellt werden. Daten zu Unfällen von Einsatzfahrzeugen soll es darin aber nicht geben, wie die Deutsche Presse-Agentur von einem Polizeisprecher erfuhr. Ob sie später kommen sollen, könne er auch nicht sagen.

Warum nicht? Doch wieder Geheimhaltung statt Transparenz? Auf Nachfrage der Berliner Morgenpost verstrickt sich die Pressestelle der Polizei in Widersprüche. Anderer Tag, andere Polizeisprecherin: Man gebe die Zahlen im Vorfeld nicht heraus, weil man der Unfallstatistik nicht vorausgreifen will. Eben dem Schriftstück, in dem sie laut ihrem Kollegen nicht enthalten sein sollen.

Der Fall Peter G. hat das Vertrauen vieler in die Berliner Polizei erschüttert. Der Mann, der bis zum Bekanntwerden der Alkoholverdachts im Internet stets stolz von der „Polizeifamilie“ schrieb, die hinter im stehe. Zwar lässt die Polizei seitdem jeden in einen Unfall verwickelten Kollegen pusten. Auf Nachfragen keine Auskünfte zu geben, ist aber das falsche Zeichen.

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