Kommentar

Berliner Jobticket: Gut gedacht, schlecht gemacht

Ein günstiges Jobticket ist sinnvoll, findet Jens Anker. Aber die Kosten können nicht allein die Unternehmen tragen.

Das neue Berliner Jobticket ist ein klassisches Beispiel dafür, wie die Politik einen sinnvollen Vorschlag beschließt, ihn in der Folge dann aber schlecht umsetzt. Es ist das ausdrückliche Ziel der rot-rot-grünen Landesregierung, mehr Menschen für den öffentlichen Nahverkehr zu begeistern. Das soll unter anderem mit günstigen Preisen erreicht werden. Ein Jobticket für Angestellte, das deutlich unter 50 Euro je Monat kostet, ist dabei ein Schritt in die richtige Richtung.

Aber der Senat lässt BVG und S-Bahn damit allein. Denn die Kosten sollen die Unternehmen selbst tragen. Für die BVG stellt sich die Frage ganz einfach dar: Warum sollte sie sich für das Jobticket stark machen, wenn sie doch durch das Firmenangebot ein Drittel weniger Einnahmen hat als für den Verkauf einer regulären Monatskarte?

Die Umsetzung wiegt um so schwerwiegender, als die BVG angehalten ist, möglichst kostendeckend zu arbeiten. Aber für dieses Jahr sieht die Jahresbilanz wegen deutlicher Gehaltssteigungen bereits ein Defizit vor. Kein Wunder also, dass die BVG nicht großartig für das für die Kunden günstige, für das Unternehmen aber teure Angebot wirbt.

Senat muss zur Finanzierung beitragen

Wenn es der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit seinem Wunsch, ein 365-Euro-Ticket für die Berliner anzubieten, ernst meint, dann muss der Senat nicht nur die Forderung aufstellen, sondern auch zur Finanzierung beitragen. Mit dem aktuellen Jobticket, das rund zwei Millionen Berliner in Anspruch nehmen könnten, ist man ja nicht allzu weit vom noch günstigeren Müller-Ticket entfernt.

Zu regieren heißt, Verantwortung zu übernehmen. Wer also aus guten Gründen einen günstigen Nahverkehr verlangt, darf danach nicht die beteiligten Unternehmen im Regen stehen lassen. Doch genau das macht Rot-Rot-Grün derzeit.

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