Kommentar

Express-U-Bahnen: Die CDU ist auf der falschen Spur

Expresszüge machen bei der Berliner U-Bahn keinen Sinn, findet Thomas Fülling.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Überfüllte Züge, eine altersschwache Fahrzeugflotte und immer häufigere Ausfälle durch Graffitischäden. Es gibt wahrlich gute Gründe, sich ernsthaft Sorgen um den Zustand der hauptstädtischen U-Bahn zu machen. Da überrascht die Berliner CDU-Fraktion nun mit dem weihnachtlichen Wunsch, künftig auch bei der U-Bahn Expresszüge fahren zu lassen, um mit kürzeren Fahrzeiten Autofahrer zum Umsteigen in den Nahverkehr zu bewegen.

Zur Erinnerung: Berlins S-Bahn lässt seit Mitte Dezember auf der S3 im Berufsverkehr zusätzliche Expressbahnen fahren. Die von Erkner bis Spandau quer durch die Innenstadt führende Linie wird üblicherweise im Zehn-Minuten-Takt bedient, und es gibt mehrere Stationen, an denen meist deutlich weniger Fahrgäste einsteigen als anderswo. Erst diese Gegebenheiten lassen es zu, dort Züge einzutakten, die zwischen Friedrichshagen und Ostbahnhof drei Minuten Fahrzeit rausholen können.

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Bei der Berliner U-Bahn fahren die Züge im Berufsverkehr im Fünf-Minuten-Takt, teilweise sogar alle drei bis vier Minuten. Wenn es keine Störungen gibt. Und die gibt es inzwischen leider häufiger. Dringlich ist es daher, die an vielen Abschnitten veraltete Signal- und Sicherungstechnik zu erneuern. Möglichst so, dass Züge dort künftig automatisiert fahren. Das lässt nicht nur höhere Geschwindigkeiten zu, sondern auch Zugfolgen von 90 und weniger Sekunden, wie sie etwa bei den U-Bahnen in Tokio oder Seoul, teilweise auch in Moskau oder Paris längst Alltag sind.

In Berlin gibt es solche Pläne gerade mal für die Linien U5 und U8, zu realisieren irgendwann in fernerer Zukunft. Hier mehr Tempo von Senat und BVG zu fordern, wäre die vornehmliche Aufgabe der Opposition. Der aktuelle Vorstoß der CDU-Fraktion zeugt hingegen leider nur vom dort fehlenden verkehrspolitischen Sachverstand.