Kommentar

Warum Berlins Bezirken so viele Mitarbeiter fehlen

Die Bezirke verlieren das Wettrennen um Personal. Und es gibt keine Aussicht auf Besserung, weiß Jens Anker.

Jens Anker kommentiert den Personalmangel in Berlins Bezirken.

Jens Anker kommentiert den Personalmangel in Berlins Bezirken.

Foto: BM /dpa

Das Rennen ist für die Bezirke nicht zu gewinnen. Zwar hat ihnen das Land wegen der gestiegenen Aufgaben deutlich mehr Personal zugebilligt, aber in vielen Bezirksämtern bleiben die Schreibtische leer. In Spandau droht jetzt sogar das vollständige Desaster. Stand jetzt, steht der Bezirk bis Mitte kommenden Jahres ohne Mitarbeiter für den Straßenneubau da. Das betrifft dann auch die Umsetzung von Radverkehrsprojekten, die der Senat ja besonders schnell vorantreiben will.

Der Grund dafür ist ganz einfach: Weil Landesbehörden mehr Geld zahlen als die Bezirksverwaltungen, entscheiden sich viele Mitarbeiter für einen Wechsel auf Landesebene. Die Landesbehörden haben ihrerseits mit der Konkurrenz der Bundesbehörden zu kämpfen, die wiederum besser bezahlen als das Land – so dass sich die Senatsverwaltungen wieder bei den Bezirken bedienen, wenn ihnen Personal abhanden kommt.

Mehr zum Thema: Fehlendes Personal: Keine neuen Straßen für Spandau

Anhebung der Gehälter wurde Haushalt sprengen

Dieses Problem ist kaum zu lösen. Alle öffentlichen Bediensteten auf Bundesniveau zu entlohnen, damit sie nicht in eine andere Behörde wechseln, ist kaum möglich. Schon jetzt gibt das Land mit zehn Milliarden Euro so viel Geld aus wie nie zuvor. Eine entsprechende Anhebung der Gehälter auf Bundesniveau würde den gerade verabschiedeten Doppelhaushalt sprengen.

Eine Möglichkeit wäre, die sogenannten weichen Faktoren beim Arbeiten im Bezirksamt zu betonen. Das heißt, die Arbeitsbedingungen so zu verbessern, dass am Ende nicht allein das Geld entscheidet, sondern eine besonders familienfreundliche und angenehme Atmosphäre.

Das wiederum müsste allerdings auch mit einer Entlastung der Mitarbeiter einhergehen. Dafür benötigte die Verwaltung allerdings mehr Mitarbeiter – und das Wettrennen um Personal ginge wieder von vorn los. Was also bleibt: kaum Aussicht auf Besserung.