Kommentar

In Berlins Schulen muss endlich wieder gelernt werden!

Die Zahl der Quereinsteiger ist hoch. Entscheidend für Lernerfolg ist etwas Anderes, schreibt Susanne Leinemann.

Morgenpost-Redakteurin Susanne Leinemann

Morgenpost-Redakteurin Susanne Leinemann

Foto: Joerg Krauthoefer

Ein Stresstest zeigt gemeinhin, wie belastbar ein System ist. Berlins Schulen sind seit vielen Jahren im Stresstest. Übervolle Klassenzimmer, marode Schulgebäude, Sanierungs-Baustellen überall, viele vakante Schulleiterstellen, Unterricht im Container, eine sich verändernde Schülerschaft durch Inklusion, wachsende Verhaltensauffälligkeiten, Brennpunktschulen. Dass nur noch 40 Prozent der neueingestellten Lehrkräfte eine klassische Lehrerausbildung hat, wundert keinen mehr so richtig. Nur ein weiterer Faktor im Stresstest.

Es gibt in Berlin eigentlich nur eine Kontinuität – die schlechten Leistungen der Schüler. Natürlich gibt es immer eine Spitzengruppe, aber viel zu viele Schüler der Hauptstadt bleiben weit unter den Erwartungen. Das war schon 2003 bei der ersten Pisa-Studie so, dass zog sich durch die Bildungsmonitore, zeigte sich beim letzten IQB-Ländervergleich und immer wieder bei den Vera-Vergleicharbeiten – einem internen Mittel, um den Wissenstand der Schüler besser einschätzen zu können.

Ein Drittel erreicht nicht mal Mindestanforderungen

Im letzten Schuljahr erreichten 30 Prozent der Berliner Drittklässler nicht mal die Mindestanforderungen in Deutsch und Mathe. Wen wundert es da, dass bei uns 2017 fast zwölf Prozent der Schüler die Schule ohne Schulabschluss verließen. Das sind Jugendliche ohne Perspektive.

Experimente an den Schülern ohne wirksame Kontrolle

Unsere Schüler lernen seit Jahren zu wenig – auch schon, als es keine Seiten- und Quereinsteiger gab. Das liegt daran, dass mit allerlei pädagogischen Methoden und Strukturreformen experimentiert wurde: Schreiben nach Gehör, jahrgangsübergreifendes Lernen, Kompetenzbildung. Vieles davon wurde nie wirklich auf den Prüfstand gestellt: Funktioniert es? Lernen die Schüler genügend? Womöglich ist nicht so wichtig, wer im Klassenzimmer steht. Sondern, dass endlich wieder gelernt wird. Damit alle Schulabgänger eine gute Zukunft vor sich haben.