Kommentar

Längere Fahrtakte sind ärgerlich, aber eine Idee

Taktausdünnungen sind ärgerlich. Doch sie könnten kurzfristig helfen, den U-Bahnverkehr verlässlicher zu machen, meint Thomas Fülling.

Berlin. Lange Zeit haben die BVG und auch der Berliner Senat die Probleme bei der Berliner U-Bahn ignoriert. Beschwerden genervter Fahrgäste über Zugausfälle wurden mit flapsigen Twitter-Sprüchen oder Oberlehrerratschlägen („Nächstes Mal einfach einen Zug eher fahren“) abgebügelt. Doch inzwischen ist selbst bei überzeugten Nutzern des öffentlichen Nahverkehrs ein Grundvertrauen verloren gegangen: das in die Verlässlichkeit des Fahrplans.

Dieser war einmal nicht die ungefähre Zusage, mal irgendwie und irgendwann zu fahren, sondern ein echtes Leistungsversprechen, auf das sich die Berliner verlassen konnten. Leider stimmt das bei den Linienbussen schon länger nicht. Inzwischen fallen aber auch bei der einst so zuverlässigen U-Bahn reihenweise Fahrten aus oder Züge kommen zu spät. Nach jahrelangem Fahren auf Verschleiß ist die Wagenflotte völlig überaltert und entsprechend störanfällig. Die Berliner bekommen das jeden Tag schmerzhaft zu spüren.

Keine Frage, die Überlegungen der BVG, auf einigen U-Bahnlinien die Fahrtakte zu verlängern, sind eine klare Angebotsverschlechterung. Doch jeder weiß: Ist ein Zug erst einmal ausgefallen, ist die nächste Bahn proppevoll. Und weil sich keiner darauf verlässt, dass die übernächste Bahn wirklich bald kommt, drängelt man sich noch schnell in den überfüllten Wagen rein. Das verschärft das Problem nur noch – für die Fahrgäste wie für die BVG-Mitarbeiter.

Taktausdünnungen sind für uns Fahrgäste ärgerlich, doch sie könnten kurzfristig dabei helfen, den U-Bahnverkehr wieder verlässlicher zu machen. Langfristig bringen aber nur milliardenschwere Investitionen etwas: in mehr Fahrzeuge, mehr Personal, mehr Werkstattkapazitäten. Doch ohne diese Investitionen kann Rot-Rot-Grün die viel beschworene Verkehrswende in der Stadt schlicht vergessen.

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