Kommentar

Letzter Ladenschluss bei Schlecker

Eigentlich, so könnte man meinen, ist der Fall Schlecker an Dramatik nicht mehr zu überbieten. Für 11.000 Mitarbeiter der insolventen Drogeriekette war am Sonnabend Schicht. 2200 Filialen werden geschlossen, und die Zukunft der restlichen Belegschaft ist ungewiss.

Aber der Insolvenzverwalter setzt noch einen drauf: Eine Frist bis Mittwoch hat er den Ländern gesetzt. Stellen diese bis dahin nicht die Mittel für jene Transfergesellschaften bereit, in die die Mitarbeiter wechseln sollen, werde er am Abend 11.000 Kündigungen verschicken. Die Botschaft ist unmissverständlich: Wenn Tausende Schlecker-Mitarbeiter auf der Straße sitzen, dürfen die sich bei der Politik bedanken. Dieses Vorgehen ist gelinde gesagt nassforsch. Um es klarzustellen: Verantwortlich für die Misere bei Schlecker ist das Management der Kette, weder die Bundes- noch eine Landesregierung. Es kann und darf keinen Automatismus geben, wonach die Politik - und damit der Steuerzahler - jedem Unternehmen beispringt, das in Schwierigkeiten steckt.

Wer Töne wie der Insolvenzverwalter anschlägt, darf sich nicht wundern, dass die FDP ihrem wirtschaftsliberalen Reflex folgt und überall dort, wo sie in den Landesregierungen sitzt, die geforderte Hilfe blockiert. Oder dass ein Verband wie der der Vereinten Insolvenzverwalter auf die Barrikaden geht. Dessen Mitglieder müssen nämlich bei ihren Rettungsversuchen meist ohne Staatshilfe auskommen. Nun kann man einwenden, dass auch für andere Pleitefälle Milliarden zur Verfügung standen. Für die Banken oder für Opel. Warum soll angesichts dessen für Schlecker kein Geld da sein?

Die Antwort lautet: Zur Rettung der Banken gab es keine Alternative, ihr Kollaps hätte den der deutschen Wirtschaft bedeutet. Und was Opel angeht, war das ein wirtschaftspolitischer Sündenfall der Bundesregierung, den man allenfalls damit begründen kann, dass es damals um Industriearbeitsplätze ging, die bei einer Pleite des Autobauers für immer verloren gewesen wären. Ob man dagegen Zahnpasta und Shampoo bei Schlecker oder der Konkurrenz kauft, ist dem Kunden egal. Dennoch sollte man die Arbeitsplätze der betroffenen Mitarbeiter erhalten. Und weil es sich um 11.000 Beschäftigte handelt, die vor dem beruflichen Aus stehen, kann man eine Rettungsaktion unter Einbeziehung der Politik trotz aller Bedenken eben nicht grundsätzlich ablehnen. Bei den geplanten Hilfen geht es schließlich um welche für die Beschäftigten, nicht für das Unternehmen. Nur muss man es richtig anpacken.

Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Was in diesen Tagen abläuft, ist ein zähes Ringen darum, wer wie viel für die Transfergesellschaften einzahlt. Um die Inhalte, also wie die eigentliche Qualifizierung ablaufen soll, hat sich bisher offenbar kaum einer Gedanken gemacht. Es drängt sich der Eindruck auf, dass es wieder einmal zuvorderst darum geht, ein Zeichen zu setzen - ein millionenschweres aus dem Staatssäckel. Zudem ist noch längst nicht klar, ob der Rest von Schlecker überhaupt lebensfähig ist. Am Ende drängen noch einmal so viele Ex-Mitarbeiter in Qualifizierungsgesellschaften. Das sollten Politiker bedenken, und zwar bevor sie Millionen bereitstellen.