Kommentar

Versöhnte Völker

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Aussöhnung und Freundschaft sind auch in der Politik, zumal wenn es um zwei Völker geht, keine Selbstverständlichkeit. Das lehrt uns die Geschichte bis in die Gegenwart. Umso glücklicher müssen Länder sein, die Feindschaft und Krieg hinter sich lassen - und wahre Freundschaft schließen.

Deutschland und Frankreich ist das nach drei Kriegen gelungen. Kluge wie weitsichtige Europäer vom Schlage Robert Schumans in Paris und Konrad Adenauers in Bonn haben die Grundlagen dafür geschaffen. Doch auch Freundschaften zwischen Völkern sind nichts Selbstverständliches. Sie müssen gepflegt werden. Mitterrand und Kohl gaben dafür ein Beispiel, als sie sich auf dem Schlachtfeld von Verdun die Hände reichten.

Ein neues, noch tiefer reichendes Versöhnungssignal hat gestern Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy gesetzt. Zu der Feier zum Waffenstillstand im Ersten Weltkrieg unter dem Pariser Triumphbogen hat der Präsident mit Angela Merkel nicht allein erstmals einen deutschen Kanzler geladen. Der 11. November soll dauerhaft zum "Tag der deutsch-französischen Aussöhnung" werden. Auch wenn sich Deutschland - anders als der sich noch immer als "Grande Nation" verstehende Nachbar - mit solcher Symbolpolitik schwertut, sollte niemand darüber lächeln. Wir sollten vielmehr dankbar auf alles eingehen, was die Freundschaft zwischen unseren Regierungen und Völkern weiter verfestigt. Das gilt selbst für Sarkozys Vorschlag, einen Minister zu berufen, der sowohl am Pariser wie am Berliner Kabinettstisch sitzt. Der würde inhaltlich kaum etwas bewegen, aber auch nicht schaden. Warum also die eigentlich so nationalbewussten Franzosen hinhaltend enttäuschen?

Alle Symbolik darf nicht davon ablenken, dass beide Regierungen für das ganze Europa Verantwortung tragen. Sie dürfen nicht den Eindruck erwecken, die mittleren und kleineren EU- Partner zu bevormunden. Andererseits müssen Paris und Berlin Motor für eine gemeinsame EU- Politik von der Außen- und Sicherheitspolitik bis zum Schutz von Umwelt und Klima sein. Dieser Motor stottert derzeit bedenklich. Symbole allein, so wichtig sie sind, bringen ihn nicht wieder zum Laufen.

Und noch ein Wunsch: Wann endlich folgt der deutsch-französischen Erfolgsgeschichte die mit unserem östlichen Nachbarn Polen?

Jochim Stoltenberg zum Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich