Kommentar

Der Größte aller Zeiten

Die Großen der Tennis-Geschichte hatten sich in der Königlichen Loge versammelt, um dem Größten die Ehre zu erweisen, dem neuen König ihrer Sportart, vielleicht des gesamten Sports.

Rod Laver, Björn Borg oder Pete Sampras können vermutlich am ehesten die Leistung einschätzen, die Roger Federer mit dem verwandelten Matchball gegen Andy Roddick vollbracht hatte - nach einem Spiel, das ihn nicht nur einmal mehr als den elegantesten Protagonisten seiner Zunft, sondern auch als unermüdlichen Kämpfer zeigte.

Als Pete Sampras 2002 die US Open und damit seinen 14. Grand- Slam-Titel gewann, schien dies schon ein Rekord für die Ewigkeit zu sein. Federer hatte damals noch keinen einzigen dieser Titel. Seit gestern sind es 15, dabei wird er im August erst 28 Jahre alt und hat noch genügend Zeit, weitere hinzuzufügen. Und der Schweizer ist nicht nur in sportlicher Hinsicht ein würdiger Nachfolger des Amerikaners.

Er ist bei allem Erfolg, bei all den Millionen, die er mit dem Tennis verdient hat, ein bescheidener, nachdenklicher und normaler Mensch geblieben. Ein Mann ohne Skandale, ohne Party-Geschichten. Dabei hatte es danach in den Anfangsjahren seiner Karriere gar nicht ausgesehen: Da zertrümmerte der junge Roger vor Wut Schläger, beschimpfte Schiedsrichter. Dass ihn manche Beobachter nun als langweilig ansehen, wird er verkraften. Sein Wandel in der Persönlichkeit ist doch vielleicht gerade das Erstaunlichste an Federer. Heute ist er Unicef-Botschafter, hat eine Stiftung gegründet, die Kinderprojekte unterstützt, hat Benefizturniere für die Tsunami- Opfer bestritten. Und seit wann ist Erfolg langweilig? Ähnlich wurde früher bei Steffi Grafs Siegesserien argumentiert. Es hat eine Weile gedauert, bis sie die verdiente Wertschätzung bekommen hat. Hoffentlich geht das bei Roger Federer etwas schneller

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