Kommentar

Großer Sport, großes Spektakel, große Freude

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Lutz Teske

Wie herrlich ist doch der Fußball: Da schreiben sich Reporter tagelang diesseits und jenseits des Kanals die Finger wund und suchen nach den kuriosesten Geschichten und Anekdoten, um ein Spiel in allen Facetten vorzuempfinden.

Da packt das schreibende Personal der beliebten, weil so hemmungslosen englischen Boulevardpresse Stahlhelme auf die Frontseiten und garniert alles mit brachialem, lächerlichem Wortgewitter. Und dann? Ja, dann gehen 22 Kicker im beschaulichen Bloemfontein auf einen stoppeligen Acker, hören die Hymnen und beginnen ein Spiel, welches in neunzig Minuten Millionen Menschen erklärt, warum Fußball so faszinierend sein kann. Feuerwerk über Berlin, Feiern auf dem Kudamm, Jubel auf der Fanmeile - Fußball-WM im Juni ist doch irgendwie besser als Lena-Hype im Mai. Und wer weiß, was der Ball in Südafrika im Juli noch bringt ...

Deutschland besiegt England 4:1. Aber es sind nicht nur Tore und ein Sieg im Klassiker gegen den Lieblingsgegner. Wie dieser Erfolg zustande gekommen ist, rechtfertigt alle Euphorie. Es war ein Spektakel der Extraklasse. Deutschland führt. Zwei zu Null. Anschlusstreffer. Dann dieser Schuss an die Lattenkante, der diesen klaren Abdruck hinter der Linie hinterlässt. Ein spitzbübisch blickender Keeper Manuel Neuer, der den Ball schnappt, ihn wieder ins Feld spielt. Vorbei an entgeistert schauenden Engländern. War das die Rache für Wembley? Rache für jenes Tor der Engländer, das keines war und Deutschland 1966 den Titel kostete? Wer weiß. Gerechtigkeit siegt. Mitunter auch spät.

Es war großer Sport in Bloemfontein. Und es war die deutsche Mannschaft, die mit dieser Glanzleistung der bis dato vor sich hin dümpelnden Weltmeisterschaft in Südafrika den Stempel aufgedrückt hat. Mit dem besten Spiel dieses Championats hat sich die Elf von Joachim Löw in den Favoritenkreis vorgearbeitet. Jenes Team also, dessen Abreise nach der Vorrunde schon orakelt wurde. Müller, Özil, Badstuber, Neuer - können sie ohne den verletzten Capitano Ballack Glanz verbreiten? Sie können. Und wie. Der Glanz dieser Elf wird Platz in den Weisheitsbüchern des Fußballs finden. Deutschland hat es geschafft, der Welt nach der kunterbunten WM im eigenen Lande wieder einmal ein neues Gesicht zu zeigen. Fußball nicht nur zu arbeiten, sondern auch zu spielen. Die Kicker heißen nicht nur Müller und Schweinsteiger, auch Özil, Khedira oder Boateng dürfen in dieser Multikulti-Truppe Ton angeben. Längst haben das auch die Freunde aus England erkannt. Ihren wilden Protesten gegen das "Bloemfontein-Tor" folgen bewundernde Worte für ein begeisterndes deutsches Team. Hört, hört! Da mag man tröstend nur noch sagen: Ja, es war ein Tor! Da habt ihr Euer Bloemfontein. Aber Wembley bleibt Wembley. Auf ewig.