Kommentar

Eine Gipfelwoche, die uns Hoffnung macht

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Uli Exner

Was bleibt also nach diesem fünftägigen politischen Intensivkurs, nach dem Dreistädtegipfel, London - Straßburg - Prag, dem heute noch eine Stippvisite des unangefochtenen Hauptdarstellers in Istanbul folgt.

Mehr als man befürchten konnte: Hoffnung. Hoffnung auf ein einigermaßen glimpfliches Ende der Weltwirtschaftskrise. Hoffnung auf eine Nato, die tatsächlich geführt wird und die deshalb im Zweifelsfall auch führen kann. Hoffnung auf eine bessere Welt, sogar das.

Eine, im Groben, überaus positive Bilanz, die zunächst natürlich zusammenhängt mit dem sehr starken, publikumswirksamen Auftreten des neuen US-Präsidenten. Barack Obama ist noch frisch genug ist in seinem Amt, dass man ihm seine Versprechungen, zumindest die Ernsthaftigkeit dieser Versprechungen, abnehmen kann, abnehmen sollte. Eine atomwaffenfreie Welt, was für ein Gedanke. Viel zu schön, um wahr zu werden? Zweifel sind mehr als berechtigt, da musste man gestern nur mal kurz Richtung Nordkorea schauen. Aber: Noch hat Obama uns ja nicht enttäuscht. Im Gegenteil: Sein erster Europa-Besuch nach der Amtsübernahme hat die ohnehin sehr hohen Erwartungen eher noch übertroffen. Mehr positive Projektionsfläche kann ein einzelner Mensch nicht bieten. Das muss ihm, der vor gar nicht langer Zeit noch als außenpolitisch zu unerfahren kritisiert wurde, erst mal jemand nachmachen.

Möglich war dieser überzeugende Auftritt andererseits nur, weil die anderen Gipfelteilnehmer den Präsidenten jeweils gewähren ließen, ihm die Führungsrolle nicht streitig machten, ihm nicht in die Suppe spuckten. Nicht einmal die Türken wollten am Ende der Partykiller sein. Ihr demonstrativer Widerwillen gegen die Berufung des Dänen Rasmussen zum neuen Nato-Generalsekretär bot Obama nüchtern betrachtet die Möglichkeit, auch konkret Durchsetzungsvermögen zu beweisen, ein politischer Elfmeter, ganz cool und flach verwandelt.

Aber nicht nur Obama punktete: Als Gewinner gehen auch Merkel und Sarkozy vom Gipfel, die Kanzlerin, weil sie sich inhaltlich in wichtigen Punkten durchgesetzt hat, sowohl in London als auch in Straßburg. Der Franzose, weil er rechtzeitig sein übereifriges Ego bezähmen, sich mit der Kanzlerin inhaltlich verbünden und Obama in Sachen Publicity diszipliniert den Vortritt lassen konnte, ohne sich selbst zu blamieren.

Es ließen sich noch weitere Gewinner identifizieren, Michelle Obama zum Beispiel, aber auch die Teilnehmer des deutschen Teils der Anti-Nato-Demonstrationen, die ihren Protest friedlich zum Ausdruck gebracht haben, die sich nicht einließen auf die pubertären Exzesse auf der französischen Seite des Rheins. Das ist auch ein gutes Zeichen.

Wenn man mag, wenn man Optimist sein will, kann man das alles so deuten, dass die Welt aus dieser Krise vielleicht tatsächlich besser herauskommt als sie hineingegangen ist. Ein schöner Frühlingsanfangsgedanke.