Mein Berlin

Die letzte Folge "Mein Berlin" - Ich verneige mich!

Alle schönen Dinge gehen vorbei – diese Kolumne endet jetzt nach 184 Folgen. Was Nina Paulsen über Berlin und die Berliner gelernt hat.

Nina Paulsen schrieb in ihrer Kolumne über Berlin.

Nina Paulsen schrieb in ihrer Kolumne über Berlin.

Foto: Reto Klar

So, liebe Freunde, holt die Taschentücher heraus. Heute ist nämlich ein trauriger Tag: Wir müssen uns voneinander verabschieden. Lange war ich nicht mehr so sentimental, aber alle schönen Dinge sind irgendwann einmal vorbei. Mit dieser Kolumne ist es auch so. Diese wird die letzte Folge sein.

Zeit für einen kleinen Rückblick: Denn mit dem heutigen sind 184 Texte der Mein-Berlin-Kolumne erschienen. Ich habe es eben gezählt und ich bin ganz schön platt. 184 Mal habe ich mich hingesetzt und über Berlin nachgedacht. Das ist häufiger, als ich in dieser Zeit unsere Zimmerpflanzen gegossen oder Gemüse gegessen habe. 184 Mal habe ich gelacht, mich gewundert, mich aufgeregt, geschimpft, palavert und geschwärmt. Dreieinhalb Jahre lang war es Teil meines Lebens, mich in diese Stadt hineinzufühlen. In ihre Menschen, ihre absurde Verwaltung, in die Bürgerämter, den öffentlichen Nahverkehr. In die Auto- und Radfahrer, ins Wetter und in die Tiere, in Currywurst, Döner und Spree.

Viel über Berlin gelernt

Die Resonanz auf die Kolumne war Anfangs eher gering – und wuchs dann rasant. Das hat mich überrascht. Und auch, dass es oft die kleinen, alltäglichen Dinge waren, die die Menschen besonders berührt oder zum Schmunzeln gebracht haben – und nicht so sehr die vermeintlich spektakulären Geschichten. In 184 Wochen habe ich so eine ganze Menge über Berlin gelernt.

Dazu gehört, dass man zum Beispiel garantiert die übergroße Mehrheit der Menschen auf seiner Seite hat, wenn man schreibt, dass Tegel super ist und der BER am besten abgerissen oder im arktischen Eismeer versenkt gehört. Und, wenn man in epischen Worten ausbreitet, wie unfassbar schön, fantastisch und perfekt diese Stadt an lauen Sommerabenden ist. Oder in den frühen Morgenstunden im Herbst.

Gelernt habe ich auch, dass man über Bürgerämter, die S-Bahn, Touristen und Zugezogene eigentlich so gut wie immer herziehen kann – und über hässliche Shoppingcenter erst recht. Heilig sind dagegen Spätis. Und Spandau. Ich glaube, der Lokalpatriotismus ist nirgendwo größer als in diesem Bezirk.

Große Debatten wurden geführt

Die größten Debatten gab es, als ich über die (vermeintliche) Gesellschaftsfähigkeit der Jogginghose in Berlin schrieb. Bis heute ist mir nicht ganz klar, ob man diese besser nur für den Weg zum Bäcker oder doch auch ins Theater anziehen kann?

Den größten Gegenwind gab es dagegen für die These, dass Craftbier eine völlig zu Unrecht gehypte Plörre ist. Craftbierbrauer meldeten sich und beschwerten sich. Craftbiertrinker bepöbelten mich auf Facebook oder schrieben Gegenreden in Craftbierblogs. Eine Craftbierfanzeitung wollte ein Interview mit mir führen und zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema Craftbier wurde ich aufs Podium eingeladen. Zweieinhalb Jahre ist das jetzt her und mit etwas Abstand muss ich sagen: Der Craftbier-Hype nervt immer noch. Und Craftbier-Liebhaber sind die größten Mimosen der Welt.

184 Episoden über Berlin

Aber das ist es nicht, was nach 184 Episoden von dieser Kolumne bleiben wird. Es ist vielmehr das Bewusstsein, dass ich diese Stadt liebe und immer lieben werde. Berlin und die Berliner sind mir ans Herz gegangen. Und ich verneige mich vor ihnen allen und ziehe meinen Hut: Vielen Dank für alles. Über diese Stadt und die wunderbaren Menschen hier zu schreiben, hat mir unendlichen Spaß gemacht! Und ich bedanke mich bei allen Lesern, die mich mit ihrem Zuspruch per Brief, E-Mail, Facebook-Nachricht oder Tweet überwältigt haben. Das hätte ich nicht zu träumen gewagt. Und es hat sehr oft sehr, sehr gut getan.

Und was nun? In Berlin bleibe ich, woanders will ich auch gar nicht mehr hin. Aber beschäftigen werde ich mich trotzdem vorerst mit anderen Themen. Bleibt jetzt nur noch, einen ordentlichen Abschied hinzubekommen – trotz aller Sentimentalität: Es war mir eine Ehre, liebe Freunde. Ich werde euch vermissen. Tschüssi, macht et jut!