Mein Berlin

Warum der Mai ein perfekter Monat ist

Warm, aber nicht zu warm – die nächsten Wochen werden schön. Jedenfalls dann, wenn man nicht auf pampige Verkehrsteilnehmer trifft.

Kolumne

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Foto: pa, BM

Fröhlichen 1. Mai, liebe Freunde! Wobei... sagt man das überhaupt? Ich bin immer ganz verwirrt, wenn es um die gesellschaftlichen Gepflogenheiten an den einzelnen Feiertagen geht. Weihnachten und Ostern sind klar – aber an Pfingsten und Himmelfahrt zum Beispiel komme ich ins Rudern.

Ähnlich war es im März mit dem neuen Feiertag, dem Frauentag. Der Spätiverkäufer hat mir an diesem 8. März als erstes gratuliert, etwas später dann der Mann an der Edeka-Kasse. Mir war das irgendwie unangenehm. Man hätte mir genauso gut zur Fließgeschwindigkeit der Spree gratulieren können. Dafür kann ich ungefähr genau so viel wie für die Tatsache, als Frau auf die Welt gekommen zu sein.

April ist einfach ein anstrengender Monat

Jedenfalls ist jetzt Mai. Und das ist ganz gut so. Der April ist immer so ein anstrengender Monat, wettertechnisch gesehen. Mal regnet es, mal hagelt es und mal wird man von orkanartigen Böen durch seinen Kiez gepustet wie einst Mary Poppins mit ihrem Regenschirm.

In diesem Jahr war es gegen Ende dann so warm, dass Landwirte bereits einen Dürresommer befürchteten und Brandenburg zur Wüste wurde. Aprilwetter halt, aber irgendwie fühlte sich das alles ein bisschen komplizierter an als sonst. Ich bin nicht sicher, ob das jetzt der Klimawandel ist – oder ob nur unsere Wahrnehmung verrückt spielt, weil alle über den Klimawandel reden.

Die Sonne bringt die Menschen schneller zur Weißglut

Insgesamt glaube ich, dass es für Berlin nicht die allerbeste Entwicklung wäre, wenn die Temperatur im Laufe der Zeit weiter ansteigt. Hier sind schon genug Querulanten und Hitzköpfe unterwegs, insbesondere im Verkehr. Ende April, an einem besonders warmen Tag, wurde ich bei einer meiner seltenen Autofahrten am Volkspark Friedrichshain von einer Frau angeschnauzt, die auf Inlineskates (!) mit einem Hund so groß wie ein Kalb (!) mitten auf der Straße (!) fuhr.

Weil Fiffi plötzlich ausscherte, musste ich abrupt in die Eisen gehen. „Kannst du vielleicht mal langsamer fahren???“ schrie die Inlineskaterin mich an. „Ich fahr’ doch nur 20!“ motzte ich zurück, was tatsächlich auch stimmte, weil ich gerade einen Parkplatz suchte. Danach erschrak ich ein bisschen über mich selbst. Die Sonne bringt einen schneller zur Weißglut, als einem lieb sein kann.

Normalerweise streite ich mich ja nicht vor August mit pampigen Verkehrsteilnehmern, das ist besser für meinen Seelenfrieden. Am besten pinselt man also nicht nur die Kreuzberger Bergmannstraße, sondern auch gleich ganz Berlin mit grünen Punkten an, um für mehr Ruhe und Entschleunigung zu sorgen. Viel schlimmer kann es eh nicht mehr kommen, einen Versuch ist es also wert.

Berlin ist eher für die Kälte gemacht

Ich befürchte, insgesamt ist Berlin sowieso eher für die Kälte gemacht. Die Bahnen und Busse werden jedes Jahr voller und damit in ihrem Inneren auch immer wärmer. Bei 35 Grad Außentemperatur gibt es einfach nichts Schönes mehr daran, in einer überirdisch fahrenden Linie wie der U1 oder U2 im Schweiß anderer Leute zu baden.

Außerdem macht die Wärme die Berliner auch zu Mimosen, das konnte man im vergangenen Sommer ganz gut beobachten: Jedes Gespräch begann mit einer Beschwerde über die unerträgliche Hitze, Zeitungen druckten Tipps, an welchen Orten man sich in der Stadt am besten abkühlen kann. Spoiler: Die U-Bahn gehörte nicht dazu.

Darum ist der Mai ein perfekter Monat

Genießen wir also den Wonnemonat Mai, in dem es schön warm, aber vielleicht noch nicht zu warm ist. Ein perfekter Monat also! Ob der Sommer wieder heiß und trocken oder doch eher verregnet wird, kann jetzt sowieso niemand prognostizieren – die Vorschau für diesen Monat sieht aber immerhin ganz gut aus.

Deshalb ist es vielleicht gar nicht schlecht zu sagen: Fröhlichen 1. Mai! Egal, ob man diesen Tag im Trubel von Friedrichshain-Kreuzberg oder doch einfach auf dem Balkon in einem ganz anderen Teil der Stadt verbringt. Und immer schön freundlich zu anderen Menschen im Straßenverkehr sein. Außer es handelt sich um renitente Inlineskater mit Riesenhunden.

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