Mein Berlin

Woran man erkennt, dass in Berlin Frühling ist

Der Berliner hat erkannt: Es ist Frühling. In der Stadt äußert sich das äußerst unterschiedlich, weiß Nina Paulsen.

Frühling äußert sich in Berlin unterschiedlich, weiß Nina Paulsen.

Frühling äußert sich in Berlin unterschiedlich, weiß Nina Paulsen.

Foto: dpa/RetoKlar/Montage: BM / BM

Berlin. Also, so viel kann man sagen: Die vergangene Woche endete ziemlich perfekt. Und zwar mit der Wettervorhersage in der „Tagesschau“ am zurückliegenden Sonntagabend. Kurz vor dem wirklich ganz guten „Tatort“ hieß es um 20.14 Uhr: Sonne, Sonne und noch mal Sonne. Tagelang. Stundenlang. Hell strahlte sie inmitten dieser ansonsten völlig leer gefegten Deutschlandkarte, an der TV-Aufräum-Queen Marie Kondo ihre wahre Freude gehabt hätte.

Ich muss sagen, dass auch ich diesen Anblick ziemlich erhebend fand. Es ist immerhin noch Februar, liebe Freunde. Aber trotzdem traue ich mich schon fast zu fragen: Könnte es das etwa schon mit dem Berliner Winter gewesen sein? Irgendwie liegt ja schon der Frühling in der Luft. Die Temperaturen sind zweistellig, die Tage ziehen sich immer weiter in die Länge, und irgendein ungeschriebenes, aber doch für alle verbindliches Gesetz besagt, dass sämtliche Mahlzeiten ab sofort nur noch im Freien einzunehmen sind.

Die Frühblüher sprießen

Die ersten Krokusse blühen, die Bäume lassen Knospen sprießen, die Winterklamotten in den Läden sind schon alle reduziert und wer in diesen Tagen niest, der tut das nicht wegen einer Erkältung, sondern wegen des Pollenflugs. Das ist zwar in einer vollen Bahn nicht weniger eklig, aber dafür wenigstens nicht ansteckend.

Und dann ist am Freitag ja auch noch meteorologischer Frühlingsanfang. Hurra, es geht also endlich aufwärts, ohne dass wir in diesem Winter den Schlitten einmal aus dem Keller holen mussten. Ich bin ehrlich gesagt nicht traurig drum. In ganz Berlin feiert man den Wetterumschwung. Ach, was sage ich: Ganz Berlin rastet kollektiv aus, weil sich zwischendurch endlich wieder die Sonne blicken lässt. Ich habe mich direkt mal umgehört, überall können die Menschen der Wärme etwas Positives abgewinnen.

Hier die inoffiziellen Top Ten der Sätze, an denen man erkennt, dass definitiv der Frühling ausgebrochen ist:

10. Friedrichshain: „Endlich nicht mehr so frieren in der Schlange vor dem Berghain“

9. Spandau: „Endlich nicht mehr so frieren beim Warten auf den Bus“

8. Mitte: „Vier Euro für eine Kugel veganes Gurken-Eis? Da schlage ich doch sofort zu“

7. Köpenick: „Wir holen am Wochenende den Grill aus dem Schuppen“

6. Zehlendorf: „Wir holen am Wochenende das Boot aus dem Winterlager“

5. Reinickendorf: „Ich brauche fünf Paletten Stiefmütterchen aus dem Baumarkt, sofort!“

4. Neukölln: „Heute Abend rauchen wir die Shisha draußen“

3. Prenzlauer Berg: „Aurelius-Seraphin, ich fahr’ dich heute bei offenem Fenster im SUV zur Schule“

2. Charlottenburg: „Macht die Busspur auf dem Kudamm frei, mein Cabrio braucht Auslauf!“

1. Marzahn: „Endlich wieder in kurzen Hosen fernsehen“

Berlin im Frühling schmeckt nach Aufbruch

Ja, Berlin im Frühling ist schon etwas ganz Besonderes. Ich mag diese Jahreszeit ausgesprochen gern, weil sie sich nach Aufbruch anfühlt und nach Verheißung. Der graue Winter ist vorbei und die schönsten Monate liegen vor einem wie das Tempelhofer Feld an einem frühen Montagmorgen. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, heißt es ja bei Hermann Hesse – und beim ersten Eis des Jahres, beim ersten Bier am Ufer der Spree, beim ersten Auspacken der Sonnenbrille aus dem Etui weiß man sofort, was er damit gemeint hat.

Zu verdanken haben wir die Sonnenwonne ja dem Hochdruckgebiet „Frauke“. Hochs haben in diesem Jahr Frauennamen, Gabi und Hannelore sind die nächsten auf der Liste. Auf die freue ich mich schon, zumal uns bislang vor allem die männlich benannten Tiefs durch das Jahr 2019 begleitet haben. 25 waren es bereits, hier sind wir schon am Ende des Alphabets angelangt, „Zeus“ ist der Nächste, der uns mit Regen und Kälte droht.

Also, Frauke, Gabi und Hannelore und alle, die darauf folgen: Gebt alles! Wir zählen auf euch! Damit diese Woche mit genau so schönen Aussichten endet wie die vergangene. Dann darf der „Tatort“ am Sonntagabend auch gerne etwas schlechter werden.