Mein Berlin

U-Bahn-Zombies, Müllgeister: Berlin hat paranormale Probleme

Gespenster treiben ihr Unwesen in Berlin! Am Hauptbahnhof, in der U-Bahn – und in der Wohnung unserer Kolumnistin Nina Paulsen.

Wer regelmäßig mit der U8 fährt, kann mitunter auf die Idee kommen, dass Gespenster oder zumindest Zombies in unserer Stadt leben.

Wer regelmäßig mit der U8 fährt, kann mitunter auf die Idee kommen, dass Gespenster oder zumindest Zombies in unserer Stadt leben.

Foto: Reto Klar/Montage: BM

Berlin. Ende vergangener Woche ging unsere Lampe im Flur kaputt. Eigentlich keine große Sache, wir schraubten eine neue Glühbirne in die Fassung und alles war wieder schicki. Am Sonntag brannte dann mit einem lauten Knall auch die Deckenlampe in der Küche durch. Da das am frühen Morgen passierte und es draußen noch dunkel war, mussten wir unseren Kaffee bei Kerzenschein trinken, was eigentlich ganz romantisch war. Außerdem sprang einem da der verkrustete und noch nicht abgewaschene Topf vom Vorabend nicht so ins Auge. Am Montag gab dann aber auch noch die Lampe im Wohnzimmer ihren Geist auf und da bin ich schon beim richtigen Stichwort: Drei Glühbirnen innerhalb weniger Tage kaputt? Kann das mit rechten Dingen zugehen?

Also, mir ist jetzt schon ein bisschen mulmig zumute. Menschen, die an paranormale Phänomene glauben, sind ja davon überzeugt, dass Geister und Gespenster durch genau solche Dinge mit uns Lebenden in Kontakt treten wollen: Da gehen die Lichter plötzlich aus, da fallen Bilder von der Wand, da weht ein kalter Luftzug durch den Raum, da knipst der Fernseher sich einfach von selber an, da rücken Möbel eigenständig umher.

Nun gehöre ich nicht zu diesen Menschen, sondern glaube, dass es immer für alles eine rationale Begründung gibt – und dass drei kaputte Birnen in kurzer Zeit schlichtweg Zufall sind. Aber... was wäre, wenn nicht? Hui. Vielleicht treiben Geister in Berlin ihr Unwesen? Das könnte natürlich für viele Dinge eine Erklärung sein: Defekte Displays an Straßenbahnhaltestellen. Der eisige Wind, der unabhängig von der Außentemperatur zu jeder Jahreszeit durch den Hauptbahnhof jagt. Der unerklärliche Kostenanstieg bei baulichen Großprojekten, der Berlin immer wieder heimsucht. Und der ganze Unrat an den Straßen – das Werk eines Poltergeists? Auch, wer regelmäßig mit der U8 fährt, kann mitunter auf die Idee kommen, dass Gespenster oder zumindest Zombies in unserer Stadt leben.

Grusel- und Horrorfilme einfach nur furchtbar

Am besten verdränge ich diese Gedanken aber ganz schnell wieder. Ich gehöre trotz aller Ratio zur Schisser-Fraktion und finde zum Beispiel Grusel- und Horrorfilme einfach nur furchtbar. Im Alter von 14 Jahren haben wir heimlich Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ geschaut. Viele Monate habe ich danach schlecht geschlafen. Mehrere Jahre später habe ich mich noch einmal überreden lassen und den Film „The Ring“ gesehen, bei dem das Monster in Form eines untoten Mädchens aus Fernsehern kriecht. Ganz schrecklich. Ich wollte für diese Kolumne googeln, wann „The Ring“ in die Kinos kam, traue mich aber nicht, weil ich dann bestimmt gruselige Bilder von eben jenem Mädchen angezeigt bekomme, die mich wieder nicht schlafen lassen. Wer es also wissen will, muss selbst nachschauen. Aber dass nachher keiner sagt, ich hätte ihn nicht gewarnt.

So, und was mache ich jetzt mit dem Geist bei mir zu Hause? Vermutlich sollte ich als erstes einen größeren Vorrat an Glühbirnen kaufen und dann überlegen, was der Geist mir sagen will. Womöglich sollte ich häufiger Kerzen anzünden, den Abwasch Abwasch sein lassen und öfter mal die Füße hochlegen? Vielleicht hat der Geist auch Frauenzeitschriften gelesen, in denen bei den Flirt-Tipps steht, dass schummriges Licht dem Teint schmeichelt. Der Geist will, dass ich mich schöner fühle und weniger Stress habe – was für ein netter Geist! Bei dieser Interpretationsvariante werde ich es erst einmal belassen, das ist besser für meinen Seelenfrieden.

Wenn der Geist noch ein Bild oder eine Kommode zurecht rücken will, kann er das auch gern tun, vielleicht hat er ja sogar ein Talent für Innendekoration. Und dann muss er noch seinen Gespenster-Kumpels im Rest der Stadt Bescheid sagen, dass sie sich bitte vom Hauptbahnhof fernhalten und die elek­tronischen Tram-Anzeiger heile lassen. Dann wäre den Berlinern schon sehr geholfen. Mit den Spukgestalten in der U8 muss man aber wohl weiterhin leben.

Mehr Kolumnen von Nina Paulsen lesen Sie hier.