Kolumne Thadeusz

Lasst den Kanzler tanzen

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Jörg Thadeusz

Foto: dpa/FFS/Montage BM

Scholz-Interviews sind wie Gerichte mit gepökelter Rinderzunge. Für die große Mehrheit überhaupt nichts, schreibt Jörg Thadeusz.

Der Bundeskanzler ist sehr sportlich. Gut möglich, dass er sich auf dem Absatz drehen kann, wie ein geschmeidiger Tänzer. Mittwochabend war er bestimmt ausgelassen genug, um allen diesen ‚move‘ zu zeigen. Er war in New York und ließ sich von dort mit seiner Interviewerin, der Tagesthemen-Königin Caren Miosga zusammenschalten. Nach dem Interview könnte er die halbe Pirouette gedreht und mit einem groovy Fingerzeig auf seine Leute gedeutet haben. „Das war doch wohl mal wieder super“, sollte diese Geste sagen. Sein Sprecher, der traummannschöne Sozischnuckel Steffen Hebestreit, hopste auf der Stelle. Er ist so toll, der Chef, da muss doch jeder vor lauter Begeisterung auch mal hüpfen.

Scholz-Interviews sind wie Gerichte mit gepökelter Rinderzunge. Für die große Mehrheit überhaupt nichts. Aber eine eingeweihte Kleingruppe freut sich daran. Wie er keine Frage beantwortet. Laffe Sätze aneinander kordelt, wie ein trauriges Mädchen verblühte Gänseblümchen. Er möchte wirklich nichts Interessantes sagen. So bleibt uns Zuschauern immerhin seine Redezeit, um uns traurige Märchen ausdenken. Von dem Locher und dem Hefter, denen von einer Fee die Sprache geschenkt wird, ohne dass sie damit etwas anfangen könnten. Erst stumm sind die Bürogeräte wieder glücklich.

Olaf Scholz hat ganz sicher Meinungen. Womöglich ist ihm auch gar nicht entgangen, wie wenig einig sich sein Wirtschaftsminister und sein Finanzminister über die Gasumlage sind. Dazu möchte er Caren Miosga aber nun wirklich nichts sagen. Die fragt zwar sanft, unaggressiv, nur eben bestimmt. Sonst wäre sie schließlich nicht die beste Moderatorin im deutschen Politikfernsehen. Wenn der Bundeskanzler auf ihre Fragen nicht eingeht, sind ihm letztlich auch die Millionen Tagesthemen-Zuschauer gleichgültig, die damit keine Antworten bekommen. Es braucht keine weiteren Kanzlerinterviews. Lieber soll gleich das Tanzen übertragen werden.