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Wie schön wir alle sind

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Foto: Berliner Morgenpost

Wir sollten sicherheitshalber viele Fotos von uns machen. So gut, wie wir aussehen, findet Jörg Thadeusz.

Berlin ist sowieso eine Stadt der Schönen und Berühmten. Aber die bleiben auch hier eigentlich unter sich. Wenn Florian-David Schnuckelchen und Lisa-Maria Zuckerschnütchen sich im Palais am Funkturm beim Deutschen Filmpreis für einen ganz, ganz süßen, kleinen Film auszeichnen lassen. Natürlich sehen die toll aus. Ist aber auch deren Geschäftsgrundlage.

Wenn aber ein Serviceberater eines Autohauses in der Abteilung Karosserie an seinen Schalter tritt und ich als Allererstes denken muss: „Mann, sieht er gut aus“, dann ist die Schönheit in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Apothekerinnen, die sich derart magisch von der Sonne küssen ließen, dass man ihnen am Mexikoplatz fragend „Vamos a la playa“ zusingt. Sehen Sie sich doch mal um. Ist da ein Käsiger? Eine matte Milchige? Als kämen wir alle vom Lavendelernten von unserem provenzalischen Feld, so braun sind wir. Herrlichste Sommerkleider, deren Säume auf Beine fallen, die „bien bronzer“ sind, wie der Franzose es nennt. Das neue Normal in Quasi-Kalifornien, das früher Preußen hieß.

Jetzt müssen wir uns nur noch das Lebensgefühl einer echten Sonnenregion aussuchen. Gehen wir es eher kulinarisch an und entwickeln Spaghetti Frohnaunese? Viel mehr Sport, viel mehr hochoperierte Frauenbrüste wie Männerlider, die meisten Snacks aus getrocknetem Grünkohl, schließen wir also zur Partnerstadt LA auf? Oder Stierkampf in Steglitz?

Wir müssen nur vorsichtig werden, wenn bald Flieger nach Flieger sonnenhungrige Norweger nach Berlin bringt, die unter dem Löwendenkmal am Wannsee Sanddorn-Sangria bechern und von zehn nackten schwedischen Friseusen singen.

Es wird nie wieder November werden. Wir sollten aber sicherheitshalber viele Fotos von uns machen. So gut, wie wir aussehen.