Thadeusz

Durchhalten als stiller Protest gegen die Pfeifen im Rathaus

| Lesedauer: 2 Minuten
Jörg Thadeusz

Foto: BM/pa

Jörg Thadeusz über den gut organisierten S25-Lauf.

München wäre eine Alternative zu Berlin. Oder noch besser: Frankfurt/Main. Eine Stadt, in der mein Wahlrecht gilt und in der ich den Flughafen nutzen kann, ohne dort vorher einziehen zu müssen. Ich schreibe Ihnen jetzt zum dritten Mal über die Wahlen, die in Berlin nicht organisiert werden konnten. Mittlerweile hat der Regierende Bürgermeister mit der ganzen Charakterfestigkeit eines Bockwürstchens alle Schuld der entlassenen Landeswahlleiterin übergeholfen. Er war – wieder mal – nicht verantwortlich.

Ohne unser Recht zu wählen, können wir die Demokratie abhaken. Deswegen möchte ich dieses krasse Versagen nicht dem Vergessen überlassen. Andererseits sollen Sie hier nicht immer nur Aufgebrachtheit erleben, sondern auch Liebe zu Berlin. Am vergangenen Sonntag konnte ich es pochen lassen. Diejenigen, die den traditionsreichen S25-Lauf organisiert haben, können mit diesem Senat nichts zu tun haben. Denn alles ist gelungen. Alle Strecken richtig ausgeschildert. Oder die freiwilligen Helfer. Wahre Würdenträger, die uns Läuferinnen und Läufern an Kreuzungen den Weg frei sperrten. Uns aber auch so hingebungsvoll anfeuerten, als würden wir bald Weihnachten zusammen feiern.

Eigentlich rudele ich höchst ungern, aber unter den Laufenden gibt es sogar für mich ein „Uns“. Hinten, bei den anderen Langsamen. Wir sind die, die wissen, dass der Schokokeks am Abend eigentlich eine Karotte hätte sein sollen. Dementsprechend schneiden unsere Bauchtaschen in etwas, was total Durchtrainierte an ihren Hüften gar nicht haben. Für die zwei Spandauerinnen, die mich so mitgezogen haben, dass ich eben doch nicht Allerletzter wurde, hätte ich sofort vier Gänge gekocht. Mit Einkaufen und Abwaschen.

Ich habe den S25 als stillen Protest gegen die Pfeifen im Roten Rathaus durchgehalten. Nicht ihr, sondern dit ist Berlin.