Kolumne Thadeusz

Kopfkissen, Meeresrauschen, Tofu-Auflauf und Opiate

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Was die Kandidaten nach dem Wahlkampf brauchen, beschreibt unser Kolumnist Jörg Thadeusz.

Ich wollte am Sonntag bei der „Berliner Runde“ ins Studio rennen. Auch, um meinem ARD-Kollegen Rainald Becker die Krawatte wieder zu richten. Mit einem gezischelten: Rainald, wie siehst du wieder aus? Vor allem aber wollte ich die Politiker päppeln. Fast parteiübergreifend.

Alice Weidel würde sich von mir nicht wellnessen lassen, und ich könnte ihr nicht helfen. Zum BER hätte ich sie natürlich gefahren, damit sie den Flieger nach Saudi-Arabien schafft. Nicht unbedingt ein Traumland für Frauen liebende Frauen. Trotzdem ein Top-Ziel, wenn man sich vor Messermädchen und den Nazis in der eigenen Partei fürchten muss. Christian Lindner hätte ein Kopfkissen gebraucht, so schwer waren ihm die Lider. Für Armin Laschet wären es die Kopfhörer mit vorinstalliertem Meeresrauschen gewesen. Um ihn vor den samtig vorgetragenen Lügen des Wahlverlierers Markus Söder zu schützen.

Selbstgemachter Tofu-Auflauf „Flotte Dritte“ für Annalena Baerbock und eine liebevolle bestickte Fußmatte „Den Sozialismus in seinem Lauf nur kurz aufhalten“ für die Linken-Chefin Henning-Wellsow. Olaf Scholz hätte von mir keine Aufmunterung gebraucht. Er hat einen ungewöhnlich offenen Zugang zu seinen körpereigenen Opiaten, die ihn in diese unentwegte Aufgekratztheit versetzen.

Allen in der Runde konnte man ansehen, was mit einem „anstrengenden Wahlkampf“ gemeint ist. Bei einem Champions-League-Endspiel wird auch den Verlierern eine Medaille umgehängt. Influencerinnen haben nichts zu sagen, müssen dafür keine Verantwortung übernehmen, bekommen aber bei sogenannten ‚events‘ 20.000 Euro als Auftrittsprämie. Die Leute, die sich ganz Deutschland ans Bein binden wollen und dafür lastzügeweise Spott vor die Persönlichkeit gestellt bekommen, wie werden die für ihren Einsatz honoriert? Anders gefragt: Was kostet es jede und jeden von uns, wenn wir es mit Anerkennung versuchen würden?