Thadeusz

Manchmal ist es besser, wenn es keinen interessiert

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Jörg Thadeusz

Jörg Thadeusz über den Putin-Biden-Vergleich von Dietmar Bartsch.

„Interessiert mich nicht“, war schon ein Erfolg. Denn dann hatte jemand wenigstens auf uns reagiert. Eigentlich wollte ich damals, mit nicht einmal 20 Jahren, Bundeskanzler Kohl im Deutschen Bundestag rhetorisch hart angreifen. Aber auch so brillant, dass meine Turnschuhe irgendwann im Museum stehen. Wie die von meinem allergrößten Vorbild, Joschka Fischer.

Bevor ich aber in Bonn auch nur eine Bockwurst am Kiosk gegenüber vom damaligen Bundestag essen durfte, musste ich zu Hause wahlkämpfen. Informationsblätter verteilen. Zettel, auf denen die Wahrheit stand, denn wir waren ja die Grünen. „Interessiert mich nicht“, war definitiv netter als das Bellen der Männer mittleren Alters, die uns „ins Gas“ schicken wollten. In den 80er-Jahren im Ruhrgebiet. Wahlkampf ist unschön.

Kein Wunder also, wenn sich die Wahlkämpfer irgendwann so gehen lassen, wie der Linkspartei-Promi Dietmar Bartsch. Der wollte einen Pups lassen, damit seine anti-amerikanische Gefolgschaft etwas Aromatisches zum Wegschnuppern hat. In der ARD sagte der NVA-Fallschirmjäger Bartsch, er hätte zwischen dem Autokraten Putin und dem von einer Rekordzahl von Amerikanern gewählten Präsidenten Biden keine Präferenz.

In der Woche, die auf Bartschs Mundfurz folgte, muss sich die 24 Jahre alte belorussische Olympia-Leichtathletin Timanowskaja vor dem Lukaschenko-Regime in Sicherheit bringen. Auch die Macht dieses Menschenschinders wird von Wladimir Putin abgesichert.

In Washington ist am Mittwoch die 32 Jahre alte Juristin Lina Khan als Chefin der US-Kartellbehörde vereidigt worden. Die Tochter pakistanischer Eltern ist mit elf Jahren in die USA gekommen, hat dort studiert und ist bereits eine gefürchtete Gegnerin großer Tech-Unternehmen wie Amazon. Wenn Dietmar Bartsch keinen Unterschied erkennen kann, sollte er seinen Kram auf Zettel schreiben und froh sein, wenn es wirklich keinen interessiert.