Thadeusz

Vergifter brauchen die Dunkelheit der Hinterbühne

Gegen Rassismus in Deutschland hilft nur, dass wir gemeinsam das richtige Deutschland bleiben, sagt unser Autor Jörg Thadeusz.

Foto: dpa/BM Montage

Gut, dass wir den Emre haben. In der kommenden Woche wird der Stadionsprecher vor dem BVB-Heimspiel in Dortmund sagen: „Und unser Spieler mit der Nummer 27 – Emre ...“ Dann rufen mindestens 60.000 Menschen im Stadion: „Can“. Nimm‘ das, Du beknacktes Wort „Migrationshintergrund“, werde ich wieder denken. Der fabelhafte Fußballspieler Emre Can wurde am 12. Januar 1994 in Frankfurt/M. geboren. Da ist er aufgewachsen, und dieser „Migrationshintergrund“ kann ihm wirklich Schwierigkeiten machen. Denn im Ruhrgebiet, wie in Berlin, versteht niemand, dass „Ei, Gude“ der südhessische Begrüßungsstandard ist.

In Hanau hätte der rassistische Irre auch auf Emre geschossen. Türkisch, kurdisch, hessisch, alles egal, Hauptsache dunkler Typ, dunkle Haare. Wenn er durch Fußgängerzonen gehe, würde er fast keine Deutschen mehr sehen, hat AfD-Meuthen auf einem Parteitag seinen Kameraden zugerufen. Ich gucke wohl anders, denn ich sehe überall Landsleute. Und habe Freundbilder im Kopf.

Der Schneider in Zehlendorf, der mir immer hinterherruft: Bleiben Sie gesund! Auf ihn könnte geschossen werden, denn er sieht nun mal nicht aus, als wäre er mit Roggenbrot-Schnittchen aufgewachsen. Ali, dem ich tröstende Nachrichten schreiben muss, weil sein Verein Fortuna Düsseldorf ständig verliert. Der das Jobangebot vom Ausländerradio nicht annahm, weil er nun mal deutscher Journalist ist. Auf ihn könnte geschossen werden. Fulya wurde beides in ihre Berliner Wiege gelegt. Die stadtbekannte internationale Härte. Aber eben auch die Süßholzraspel, die sie für charme-zwitschernde Telefonate zur Hand nimmt. Auf sie könnte geschossen werden.

Gegen diese Horrorvorstellung hilft nur, dass wir gemeinsam das richtige Deutschland bleiben. Die Vergifter und Verächter brauchen die Dunkelheit der Hinterbühne. Wir, die große Mehrheit, stehen im Vordergrund. Gut, dass wir uns haben.