Thadeusz

Kann es nicht sein, dass Blödsein langweilig ist?

Was Brandenburger AfD-Politiker mit auf der Kreuzung driftenden Männern zu tun haben, weiß Jörg Thadeusz.

Moderator Jörg Thadeusz schreibt jeden Sonnabend in der Berliner Morgenpost.

Moderator Jörg Thadeusz schreibt jeden Sonnabend in der Berliner Morgenpost.

Foto: Berliner Morgenpost

Es gibt einen Trend, der endlich einer werden muss: das Poesiealbum für erwachsene Männer. Wo wir Sätze und Fragen eintragen, an denen wir in der Zeit kauen können, in der andere ihre neuen Skischuhe im Netzwerk posten. Oder einen Hasskommentar verschicken. Am Dienstag habe ich in Schönschrift eine Frage eingetragen, die mir eine Zufallsbekannte überließ: „Kann es nicht sein, dass Blödsein schrecklich langweilig ist?“

Sie veranstaltet ein Kulturfestival in einem brandenburgischen Ort. Ein Städtchen, in dem AfD-Vertreter mittlerweile zu allen Ereignissen mitsprechen dürfen. Aus AfD-Sicht ist Kultur entweder ein deutscher Beitrag, oder es kommt besser gar nicht zur Aufführung. Die Mehrheit setzt sich auch in diesem brandenburgischen Örtchen regelmäßig gegen die AfD durch.

So erklärte sich die Frage der Bekannten: Was machen die eigentlich, wenn sie wieder mal ins Leere gehasst haben, es aber noch nicht Zeit fürs Bett ist? Vielleicht noch einmal kurz ins Internet und eine Nazi-Devotionalie für einen Parteifreund zum Geburtstag bestellt. Aber dann? Wenn es keine Demo gibt, bei der sich ein Anti-Merkel-Galgen durch die Gegend tragen ließe. Ist zweifellos langweilig, irgendwo rumzustehen, „Wir sind das Volk“ zu brüllen, aber weit und breit kein Kamerateam, dem man kettenhundaggressiv weiteres Rumfilmen verbieten könnte. Wo geht dann noch was?

Seit dieser Woche haben wir die Antwort: Kreuzungsdriften. Das Reifendurchdrehen und Krach machen ist bisher wohl nicht politisch gemeint. Nicht einmal deutschnational. Die Beteiligten dürfen nur handelsübliche Fahrzeughupen nicht intellektuell überragen. Spätestens hier weitet sich eine Schnittmenge mit AfD-Kulturpolitikern. Brandenburg sollte Asphaltstrecken in einem der vielen märkischen Niemandsländer bereitstellen. Und dann: Gebt Gummi. Für das Poesiealbum: Ist Blödsein langweilig? In der Gruppe geht’s.

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