Kolumne Thadeusz

Ein Loblied auf die Berliner Feuerwehr

Feuerwehrleute in Berlin helfen in schwierigsten Situationen. Nicht immer wird es ihnen gedankt. Jörg Thadeusz singt ihnen ein Loblied.

Jörg Thadeusz würde den Feuerwehrleuten am liebsten einen Oscar verleihen.

Jörg Thadeusz würde den Feuerwehrleuten am liebsten einen Oscar verleihen.

Foto: Thomas Peise/Annette Koroll

Berlin. Was rummst denn da, in der S-Bahn? Fällt völlig aus dem Rahmen, dieses Geräusch. Es ist aber kein nerviger Schaden an unserem S-Bahn-Zug. Sondern der Kopf eines Mannes, der auf dem Fußboden des Waggons aufschlug. Deswegen ist da auch Blut. Die Umsitzenden sind Großstädter auf dem Feierabendweg. Na toll, jetzt auch noch ein Notfall. Ich würde auch am liebsten nichts machen. Geht aber nicht. Denn nach drei Jahren Arbeit in einem Rettungswagen stecken mich solche Situationen augenblicklich wieder in die alarmrote Einsatzjacke.

Gemeinsam machen und tun wir, damit der epileptische Anfall des Mannes so glimpflich wie möglich vorüber geht. Was dann kommt, ist der Teil, den ich immer vergesse, wenn ich an Abendbrottischen meine Zeit als Retter zur Heldensage verkläre: immer kein Happy End. Der nicht mehr Krampfende schreit mich und den ganzen Wagen an.

Vieles in seinem Leben läuft nicht gut. Deswegen riecht er, wie er riecht. Findet es auch eine Riesenschweinerei, dass zwischen Westkreuz und Potsdam Hbf. überhaupt nicht die Haltstelle Alexanderplatz kommt. Ist das viel stärkere Déjà-vu, als nur das Blut, die Spucke und die Kopfplatzwunde. Derjenige zu sein, der angeschrien wird. Von Geretteten, die nicht um Rettung gebeten haben. Junkies, die nicht wollen, dass ihnen der Rausch ausgespült wird. Hackedichte Wochenendsäufer, die auf den Hinterkopf gefallen sind, aber beleidigen klappt noch.

Irgendwann steigen die 112-Profis in die S-Bahn. Der Mann schreit noch lauter. Gibt ihnen als Personalien den Namen einer indischen Gottheit an. Die beiden Feuerwehrleute bleiben fürsorglich. Überzeugen ihn sanft, dass er mit ihnen aussteigt. Diese Schreierei ist für die beiden Männer der Einsatz vor dem nächsten Ausrasten. Jeden Tag. Am Sonntagabend müssten in Los Angeles die Fanfaren tuten und dann sollte eine wunderschöne Schauspielerin sagen: "And the Oscar goes to: Berliner Feuerwehr."