Kolumne

Für Korpulente kommt es immer irgendwie dicke

Nicht jeder hat eine Modelfigur: Unser Autor, Jörg Thadeusz, schreibt über Körperfülle und Selbstliebe.

Jörg Thadeusz sinniert über Selbstliebe.

Jörg Thadeusz sinniert über Selbstliebe.

Ein dickes Fell müsste her. Wenn nicht das doofe Wort enthalten wäre, gegen das selbst Obelix wehrlos ist, wenn er sagt: Hier ist nur einer dick und der ist nicht dick. Die Mitschüler dachten sich für den Kniff in die Jungenbrust einen so ordinären Namen aus, dass ich ihn bei heutigen Klassentreffen nicht zitieren sollte. Sonst heißt es, aus dem damaligen Moppel wäre der Porno-Jörg geworden. Für Korpulente kommt es aber auch anderswo dicke.

„Sie haben nicht gerade eine Läuferfigur, eher sowas Ringerhaftes“, sagt der Arzt bei der Marathon-Voruntersuchung. Die körperlichen Daten sind fabelhaft, denn hinter mir liegen Hunderte Trainingskilometer. Der Mediziner erwartet aber, ich müsste nach so viel Pein auch ein wenig gekreuzigter aussehen.

„Die Kollegen sagen, Du wärest so wahnsinnig dick geworden. Aber so schlimm ist es ja gar nicht“, begrüßt mich eine der schönsten Nachrichtensprecherinnen der Welt, als wir uns nach vielen Monaten einmal wiedersehen. Bekannte, die sich neue Stühle gekauft haben, freuen sich, ihre neuen Möbel könnten auch Menschen „mit Deiner Statur“ sicher laden.

„No body is perfect“: Fernsehsendung, die zur Selbstliebe ermuntert

Wäre ich alter, weißer Mann nicht generell schuld, könnte ich mir einen Schmollwinkel für Diskriminierte suchen, von denen es heute so viele gibt. Stattdessen sehe ich fern: „No body is perfect“ heißt die neue Sendung der Sex-Expertin Paula Lambert. Anders als im „Dschungelcamp“ ist sie keine moderierende Sadistin, die Adipöse quält. Sie, wie die anderen Mentalitätstrainer an ihrer Seite, sind durchgehend nackt. Und dabei unterschiedlich unperfekt.

Sie wollen die These eines Wissenschaftlers belegen: Wer mehrere Tage nur so aussieht, wie er eben aussieht, wird sich endlich selbst lieben können. Eine Fernsehsendung, die zur Selbstliebe ermuntert. Und das im Land der Hasskommentare: wie befreiend. Intervallt mal schön weiter, ihr Fastenheinis. Für alle anderen: Shake your Wampe.