Thadeusz

Stoßen wir auf ein Jahr an, das gar nicht so schlecht war

Was war Ihnen richtig wichtig in diesem Jahr, fragt Kolumnist Jörg Thadeusz. Und stellt fest: So schlecht war 2019 nun wirklich nicht.

Jörg Thadeusz hält Rückschau auf das Jahr 2019.

Jörg Thadeusz hält Rückschau auf das Jahr 2019.

Foto: dpa / BM

Ich kenne Journalisten, die nicht wünschen, dass bekannt wird, wie die Amerikanerin Sandra und der Amerikaner Lars leben. Zu nett, zu zivilisiert, zu wenig gespaltene Gesellschaft. Er röntgt Skifahrern und Snowboardern gebrochene Gliedmaßen im Krankenhaus von Mammoth Lakes. Sie animiert die Menschen in dieser Stadt, mehr auf ihre Gesundheit zu achten. Die beiden wohnen mit ihren bisher unbewaffneten Kindern dort oben in den kalifornischen Bergen. Um sie herum sind längst nicht alle dick oder Preppers, die sich auf das Weltende vorbereiten. Würden Sandra und Lars den orangefarbenen Widerling besuchen wollen, der das Weiße Haus besetzt, müssten sie fünf Stunden fahren und dann fünf Stunden fliegen.

Die beiden haben an Familie und Freunde einen Jahresrückblick geschickt. Fotos mit Musik unterlegt. Eine atemberaubende Radtour. Ein Foto des Abends, an dem sie endlich mal wieder auf einem Festival waren. Als Lars‘ wunderbarer Vater in diesem Jahr gestorben ist, gab es ein „Fest des Lebens“. Das Foto ist also kein deprimierender Beerdigungs-Schnappschuss. Der Lügner aus Washington hat es nicht in den Rückblick geschafft. Warum auch? Haben Sie mit dem wirklich zu tun? Hat Greta Ihnen eine Weihnachtskarte geschrieben? Oder irgendeines der Ekelpakete von der AfD? Was war Ihnen richtig wichtig, in diesem 2019: Wirklich Saskia und Norbert von der SPD?

Ich hoffe, es gab einen Abend in diesem Jahr, an dem sie getanzt haben wie noch nie. Vielleicht ist etwas fertig geworden, woran lange renoviert wurde. Im günstigsten Fall war 2019 das, was wir Medienleute bei unserer Übertreibungsarbeit überhaupt nicht gebrauchen können. Etwas Mittiges. Manchmal gut, manchmal nicht so gut. Wunderbar alltäglich. Mit bisher ungekannten Momenten gesalzt. Heben wir, in unserem Land der unverbesserlichen Optimisten, doch einfach die halb vollen Gläser auf ein gar nicht so schlechtes Jahr.