Thadeusz

Weihnachtsfrieden für alle

Wie sollen wir uns drei Feiertage lang beruhigen, wo alle an die dauernde Empörung gewöhnt sind? Fragt sich Moderator Jörg Thadeusz.

Jörg Thadeusz wünscht frohe Weihnachten - ganz friedlich.

Jörg Thadeusz wünscht frohe Weihnachten - ganz friedlich.

Foto: BM

Eine gute Gans erwischen. Oder für die schwierigeren Weihnachtsgäste nach veganem Gansersatz fragen. Ein feines Ballerspiel für den Patensohn besorgen. Oder aus wiederverwertetem Katzenstreu hergestellte ‚Extinction rebellion‘-Pantoffeln kaufen, wenn der Junge lieber mit Botschaften schießt. Einen Parkplatz in der Nähe des KaDeWe finden. Oder sich lieber gleich zu Hause in einen Heulkrampf hineinsteigern.

Für jedes Weihnachtsproblem gibt es einen Ausweg. Nur nicht für den Weihnachtsfrieden. Ohne den ist der schönste Geburtstag des Jahres nur ein passiv-aggressives Schlemmen ohne Wunder. Aber wie sollen wir uns drei Feiertage lang entregen, wo alle so an die dauernde Empörung gewöhnt sind?

Ich bin bereit dort anzufangen, wo es am meisten schmerzt: Bei mir selbst. Ich rastete im Sommer in dieser Zeitung über Carola Rackete aus. Ich fand Frau Racketes Selbstgerechtigkeit tyrannisch. Daraufhin wurde ich von einigen Leserinnen und Lesern zu einem Menschenhasser erklärt, der Flüchtlinge ertrinken lassen möchte. Weihnachtsfriedenversuch: Ich werde Carola Racketes Buch „Handeln statt Hoffen“ verschenken. Ohne darauf hinzuweisen, wie sehr sich gutes Marketing auch in der Apokalypse-Branche auszahlt.

Könnte ich Feuer speien, dann würde ich die Chefetage der Deutschen Bahn mit Flambieren bedrohen. So las sich mein Wuttext über das deutsche Kummerunternehmen. Weihnachtsfriedensvorschlag: Ich mache mir klar, wo wir ohne unsere liebe Eisenbahn wären. Auf der Autobahn. Eingeklemmt zwischen todeshungrigen Audi-Fahrern und osteuropäischen Lkw. Freuen wir uns im Zug über die kleinen Dinge. Wie mindestens drei Empfangsbalken für unser mobiles Kling-Glöckchen-Kling.

Mag sein, dass die Freude nach der Abfahrt aus Spandau nur acht Minuten hält. Aber es reicht für die Botschaft, die ich Ihnen mit der Zuverlässigkeit dieser Zeitung sicher überbringen kann: Frohe Weihnachten.