Thadeusz

Warum ich nicht von Kevin Kühnert regiert werden will

Kanzlertauglich oder nicht, das ist für Jörg Thadeusz die Frage. Eine Selfmade-Frau wie Fiona Hill ist ihm da lieber als der Juso-Chef.

Moderator Jörg Thadeusz schreibt jeden Sonnabend in der Berliner Morgenpost.

Moderator Jörg Thadeusz schreibt jeden Sonnabend in der Berliner Morgenpost.

Foto: Berliner Morgenpost

Berlin. Da uns angeblich die Kanzler-Frage beschäftigen muss: Ich möchte von Fiona Hill regiert werden. Die wurde am Donnerstag im amerikanischen Kongress als Zeugin im Verfahren gegen Donald Trump befragt. 54 Jahre alt. Wurde Amerikanerin. Denn in der Klassengesellschaft ihrer Geburtsheimat England hätte sie mit ihrem Akzent einer Bergarbeitertochter nicht wirklich aufsteigen können. Das gute, das einwanderungsfreundliche Vor-Trump-Amerika hat sie aufgenommen und ihr neue Möglichkeiten gegeben.

Sie hat sie genutzt. Fiona Hill wurde in Havard zur Russland-Expertin. Hat sowohl die Regierung von George W. Bush als auch die Barack Obamas russlandpolitisch beraten. Für den Nationalen Sicherheitsrat des Lügners Trump war sie zu deutlich, was die Russen anging. Im Juli trat sie von ihrem Posten zurück.

Ihr handkantenhartes Auftreten hat die republikanischen Großmäuler im Kongress zum Schweigen gebracht. Sie wird auf eine Geschichte aus ihrer Schulzeit angesprochen. Ein Mitschüler hatte ihr während eines Tests den Pferdeschwanz angezündet. Sie klopfte das Feuer aus und setzte den Test fort. Vor dem Ausschuss klagte sie nur darüber, dass ihr ihre Mutter anschließend eine Glatze schor und sie deswegen aussehen musste wie Richard III. Auch das noch: Humor.

Eine Frau aus der Arbeiterschaft, die ihren Aufstieg sich selbst zu verdanken hat. Die ihre neue Heimat vor russischen Polit-Gangstern beschützen will, weil sie dankbar für ihre Lebenschance ist. Ich hörte im Radio vom angeblich kanzlertauglichen Kevin Kühnert. Studium nicht durchgezogen. Nie aus Berlin rausgekommen, möchte unsere Wirtschaft sowjetischer. Zu feige, um sich bei den Vorstandswahlen dem Mitgliedervotum zu stellen. Jetzt will er hintenrum aber doch einen Posten in der Parteispitze. Wahrscheinlich gibt es längst eine Fiona, vor der sich das Lankwitzer Riesentalent Kühnert jetzt schon fürchten sollte.